Klinikum "schlägt Alarm"

NEUMARKT. Viele Schlaganfallpatienten auch im Raum Neumarkt kommen zu spät in die Klinik, erklärte der Chef der Stroke Unit am Neumarkter Klinikum.

Der 10. Mai wird alljährlich im Bundesgebiet als Aktionstag gegen den Schlaganfall begangen. Die Neurologische Klinik am Klinikum Neumarkt nutzt diesen Aktionstag, um Alarm zu schlagen. Viele Patienten erreichen die Stroke Unit (Schlaganfalleinheit) des Klinikums zu spät.

Nur etwa ein Drittel der Patienten mit akuten Schlaganfallsymptomen erreicht eine Klinik innerhalb der ersten drei Stunden. Viele Therapien sind jedoch nur in den ersten Stunden nach dem Eintreten des Schlaganfalls wirksam. "Am Anfang können wir am meisten tun, Je früher desto besser" sagt Priv. Doz. Dr. René Handschu, Chefarzt der Neurologischen Klinik und Leiter der Stroke Unit am Neumarkter Klinikum. "So kann eine Thrombolysebehandlung zur Auflösung des Hirngerinnsels nur innerhalb der ersten viereinhalb Stunden durchgeführt werden".

Viel mehr Patienten könnten auch in Neumarkt so behandelt werden, würden die Patienten nur früher kommen. Denn mit vier Überwachungsbetten auf der zertifizierten Stroke Unit, Intensivstation, CT und MRT stehen im Klinikum Neumarkt alle etablierten Behandlungsmöglichkeiten des Schlaganfalls zur Verfügung.

Viele Patienten warten aber beim Auftreten eines Schlaganfalls erst einmal ab, kommen teilweise erst nach Tagen zum Arzt, obwohl sie eine deutliche Lähmung haben oder nicht mehr richtig sprechen können. Dabei sind Lähmungen oder Sprachstörungen mit die auffälligsten Schlaganfallsymptome. Taubheitsgefühle, Schwindel oder Sehstörungen werden häufig gar nicht erkannt oder als bedrohliche Anzeichen eines Schlaganfalls wahrgenommen.

Nicht selten hoffen die Betroffenen erst einmal auf Besserung. "Menschlich verständlich, aber brandgefährlich" warnt Dr. Handschu, da es immer wieder auch zu einer Verschlechterung des Zustands komme. Gerade solche Komplikationen könnten aber auch durch rechtzeitige Überwachung und Behandlung auf der Stroke Unit deutlich reduziert werden.

"Natürlich können wir auch nach längerer Zeit etwas für die Patienten tun, aber die Möglichkeiten sind einfach eingeschränkt" so der Chefarzt. Deshalb sollte beim Auftreten von Schlaganfallsymptomen sofort die Notrufnummer 112 gewählt werden, um den Notarzt und Rettungswagen zu alarmieren. Auch wenn der Hausarzt angerufen wird, geht es meist zügig ins Krankenhaus.

"Das Problem liegt eindeutig bei den Betroffenen, die zu lange zögern" lautet Handschus Diagnose. Auch wenn die Beschwerden nach kurzer Zeit wieder verschwinden, teilweise nur Minuten dauern, sollte der Patient sofort ins Krankenhaus. Jeder 20. Patient mit solch einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) erleide innerhalb weniger Tage einen Schlaganfall mit bleibender Behinderung. Gerade dann sollte also sofort das Risiko abgeklärt und ein drohender Schlaganfall verhindert werden.

Natürlich ist zum Glück nicht alles, was wie ein Schlaganfall aussieht, wirklich solch eine gefährliche Durchblutungsstörung des Gehirns Aber "lieber einmal blinder Alarm, als lebenslang gelähmt", so die eindringliche Aufforderung der Neumarkter Klinikneurologen.

Weitere Informationen und Unterstützung auch für Betroffene erhält man auch durch die Selbsthilfegruppe "Strohhalm - für Menschen nach Schlaganfall oder Kopfverletzungen". Es gibt ein monatliches Treffen für Betroffene und Angehörige am ersten Mittwoch des Monats um 15 Uhr im BRK-Seniorenheim; Kontakt Christine Hartwig 09181/9582 oder 09181/905312.
08.05.13
Neumarkt: Klinikum "schlägt Alarm"
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