Gedanken zu Christi Himmelfahrt

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Abschied im Leben tut immer weh. Jede Trennung verursacht Schmerz. Wenn Kinder aus dem Haus gehen, im Ausland studieren oder heiraten, dann ist den Eltern weh ums Herz. Vielleicht vergessen wir manchmal, dass wir einander nur bestimmte Zeit gehören und dass sowohl Bindung, Entbindung und Loslassen Zeichen des Lebens sind. Abschiednehmen, auch wenn es schmerzhaft ist, muss also nicht immer nur etwas Negatives sein. Jede Entbindung eines Kindes verursacht zwar Wehen, aber die Freude ist oft groß, wenn ein Kind das Licht der Welt erblickt. Auch wenn Jugendliche ihre eigenen Wege gehen und versuchen, auf eigenen Füßen zu stehen, dann ist das ein Zeichen von Reifung und Lebenstüchtigkeit. Ja, man könnte sogar sagen: Auf dem Abschied, auf dem Loslassen ruht Segen.

Von solchem Segen beim Abschiednehmen spricht auch die biblische Erzählung vom heutigen Hochfest der Himmelfahrt Jesu. Während es in der Apostelgeschichte noch heißt, dass die Jünger beim Abschied Jesu "unverwandt zum Himmel starrten", spricht der Evangelist Lukas bereits davon, dass Jesus die Jünger noch segnete und sie dann in großer Freude nach Jerusalem zurückkehrten. Seltsam: Auf der einen Seite Abschied als etwas Erschreckendes und auf der anderen Seite Segen und Freude.

Ergeht es uns nicht auch ähnlich wie den Jüngern? Meinen wir nicht oft: Gott, sei abwesend, Gott habe sich aus dem Schlamassel dieser Welt verabschiedet. Gott habe uns wie Waisenkinder zurückgelassen, wenn wir Leid, Not oder Krankheit erleben. Aber ist das wirklich so? Ist es nicht ähnlich zwischen Jesus und den Jüngern wie bei Eltern von erwachsenen Kindern, wenn diese außer Haus gehen oder sich eine neue Existenz aufbauen? Da entstehen eine neue Beziehung und oft sogar ein Stolz auf die Selbständigkeit der Kinder. Natürlich tut da immer noch ein Anruf, ein guter Rat, ein ermutigendes Wort der Eltern gut, aber die Eltern erfahren: Der Abschied ist ein Zeichen der Reifung und hat vielleicht sogar eine noch stärkere Nähe, Beziehung und gegenseitige Wertschätzung geschaffen.

Ähnlich sieht Jesus die Jünger, genauso sieht Gott uns. So hat die Himmelfahrt Jesu eine ungeahnte Wirkung. Sie ist kein von der Erde verantwortloses Entschwinden. Sie ist vielmehr ein Akt neuer Beziehung, neuer Nähe und neuer Gemeinschaft zwischen Jesus und seinen Jüngern, zwischen Christus und seiner Kirche. Wie aber entsteht dieses neue Beziehungsgefüge? Es entsteht durch den heiligen Geist. Eben diesen verheißt Jesus seinen Jüngern bei seinem Abschied Der Geist ist es, der sie weiterhin lehren, raten, stärken, stützen und unterstützen wird, wie Eltern, die für ihre erwachsenen Kinder nur das Beste wollen. So ist die Himmelfahrt Jesu so etwas wie ein Anstoss zum Mündigwerden der Jünger und der ganzen Kirche, ein göttlicher Anschub: Starrt nicht zum Himmel, der Himmel ist in euch, nicht über den Sternen, bleibt der Erde treu, lasst euch senden, gebt meine Botschaft weiter, werdet erwachsen im Glauben, fürchtet euch nicht, denn ich bin und bleibe bei euch alle Tage!
08.05.13
Neumarkt: Gedanken zu Christi Himmelfahrt
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