"Schlecht bestellt"

NEUMARKT. Um die Altenpflege in Deutschland und damit auch im Landkreis Neumarkt ist es schlecht bestellt ist, hieß es beim SPD-Kreisvorstand.

Bei der letzten Sitzung fand Referent Stefan Heptner klare Worte: An allen Ecken und Enden fehle es an Pflegepersonal. Seriösen Berechnungen zufolge werden bis zum Jahr 2030 in Deutschland 50 Prozent mehr Menschen pflegebedürftig sein, im Landkreis Neumarkt sogar fast 60 Prozent. Bis dahin werden 500.000 Pflegekräfte deutschlandweit fehlen, im Landkreis Neumarkt wären das laut letzten Berechnungen über 750.

Die Personalquoten seien ein Problem, gerade in großen Konzernen im Pflegebereich würde am Personal gespart.

Die Einteilung in drei Pflegestufen sei völlig überholt, denn sie beurteilt nur den körperlichen Zustand der Pflegebedürftigen, nicht aber die speziellen Bedürfnisse, die vor allem die steigende Anzahl an dementen Patienten habe. Ein neues, fünfstufiges System werde dem besser gerecht, sei aber sehr viel teurer und liege deshalb in der Schublade.

Aber die Angehörigen hätten auch in anderer Hinsicht das Nachsehen, hieß es. So bekomme man für die Pflege eines Angehörigen daheim nur halb so viel Pflegegeld wie ein Heim. Kreisrätin Barbara Schierl sieht darin eine Benachteiligung der Angehörigen, die ohnehin schon viel zu leisten haben.

Dabei, so Referent Heptner, weiß man längst, was zu tun ist, gibt es neue Konzepte, wie man die Pflege wirtschaftlicher gestalten und den alten Menschen gleichzeitig mehr Lebensqualität und Menschenwürde erhalten kann. Ein erster Schritt in eine bessere Zukunft ist die Vorschrift, dass jeder Landkreis ein seniorenpolitisches Gesamtkonzept erstellen muss. Dazu wird dringend empfohlen, jeweils eine unabhängige Ansprechperson für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen zu benennen. Der SPD Kreisverband will nun herausfinden, wieviele Kommunen im Landkreis solche "Care Manager" schon eingesetzt haben.

Daneben sollen neue Formen der Altenpflege in Zukunft den Senioren viel länger ermöglichen, zuhause zu verbleiben. Außerdem seien sogenannte ambulant betreute Wohngruppen noch viel zu unbekannt.

Lydia Losehand regte an, auch Kurse für Angehörige und Betreuende Personen niedrigschwellig anzubieten. Dirk Lippmann berichtete über die Pläne des Marktes Pyrbaum, beim Neubau eines Pflegeheimes möglichst große Einflussmöglichkeiten der Kommune zu erhalten, um den Senioren beste Verhältnisse anbieten zu können.

Die Kreisvorsitzende Carolin Braun brachte es für die SPD auf den Punkt: Bei der Pflege im Minutentakt bleibt zwangsläufig die Menschenwürde auf der Strecke. "Das wollen wir unseren Senioren nicht antun." Braun will neue Projekte im Landkreis anregen und Vorzeigeprojekte auch besuchen.
30.01.13
Neumarkt: "Schlecht bestellt"
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