Viel weniger Straftaten


Die Kriminalität ging zurück - bei Fahrraddiebstählen stieg sie
allerdings leicht von zehn auf elf Fälle an
Foto: ADFC/J. Lehmkühler
NEUMARKT. Am erfreulichen Rückgang der Kriminalität im Landkreis Neumarkt hat auch der Süden - im Bereich der Parsberger Polizei - ihren Anteil.

Auch hier gab es im letzten Jahr deutlich weniger Straftaten, sagte Inspektions-Leiter Erster Polizeihauptkommissar Peter Gotteswinter am Freitag.Der Rückgang um zwölf Prozent sorgte für den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre. Im Gesamtlandkreis konnte man sich über einen Rückgang der Straftaten um 12 Prozent freuen (wir berichteten) Im letzten Jahr wurden 821 (Vorjahr: 933) Kriminalfälle ausgewiesen, das sind 112 weniger.

Für den Bereich der Inspektion Parsberg, also den Gemeinden Breitenbrunn, Dietfurt, Hohenfels, Lupburg, Parsberg, Seubersdorf und Velburg, ergibt sich danach eine verbesserte Kriminalitätsbelastungsziffer von 25,4 (28) Delikten auf je 1000 Einwohner. Im Vergleich dazu liegt diese Häufigkeitsziffer im Landkreis Neumarkt insgesamt bei 31 (35,6), im Bereich des Polizeipräsidiums Oberpfalz bei 44,1 (44,7) und bayernweit bei 49,6 ( 49,5).

Von den erfassten 821 Straftaten konnten 533 (640) Fälle aufgeklärt werden. Die Aufklärungsquote liegt bei 64,9 Prozent (68,6 Prozent) und damit in der Bandbreite des gesamtbayerischen Wertes von 64,0 Prozent (64,6 Prozent).

Zu den geklärten 533 Delikten wurden 477 (523) Tatverdächtige ermittelt, wovon 284 Personen bereits polizeilich in Erscheinung getreten waren. Von den Tatverdächtigen sind 374 männlich, 103 weiblich, 180 Nichtdeutsche, 371 Erwachsene, 54 Heranwachsende, 41 Jugendliche und elf Kinder. Der Gesamtanteil der 106 Tatverdächtigen unter 21 Jahren zeigt sich weiter abnehmend und beträgt 22,2 Prozent (23,3) Prozent. Insgesamt 72 (99) Tatverdächtige, also 15 (15,5) Prozent, standen zur Tatzeit unter Alkholeinfluss. Im Bereich der Rohheitsdelikte waren dies 39,4 (41,1) Prozent, bei den reinen Körperverletzungsdelikten 48 (46,1) Prozent und bei den Delikten der Straßenkriminalität 40 (20,8) Prozent.

Der Bereich der Vermögens- und Fälschungsdelikte hat mit 243 Fällen und einem Anteil von 28,5 (26) Prozent an der Gesamtkriminalität trotz leichten Rückganges um 9 Fälle den Diebstahlsdelikten insgesamt erstmals "den Rang abgelaufen."

Die Straftatenobergruppe wird dabei mit einem Anteil von 85 Prozent von den Betrugsdelikten dominiert, deren Anzahl unverändert bei 199 Fällen (199) blieb. Die Delikte mit Bezug zur Internetkriminalität nehmen allerdings weiter stark zu. Einen nahezu unverändert hohen Wert zeigen auch die "Tankbetrügereien" mit 85 (87) Fällen, die in deutlichem Maße den Einfluss der Autobahn-Nähe mit den Rastanlagen erkennen lassen.

Der Bereich der Diebstahlskriminalität an zweiter Stelle der Deliktsreihung umfasst mit 24,50 Prozent (28,00 Prozent) den langjährig hohen Anteil an der Gesamtkriminalität, verzeichnete aber einen Rückgang von 23,0 Prozent (- 60 Fälle). Allerdings muss hier objektiverweise berücksichtigt werden, dass eine Reihe von Delikten an Haus- und Wohnungseinbrüchen zum Jahresschluss 2011 noch nicht in diese Jahresstatistik eingeflossen sind. Die Gesamtsituation wird sich in diesem Bereich wohl noch etwas relativieren, hieß es.

Erkennbar rückläufig zeigen sich auch Aufgriffe durch Ladendetektiven: 45 (61) also –26,2 Prozent, was allerdings nichts über die tatsächliche Situation und das wohl immense Dunkelfeld aussagt. Die Delikte des Fahrraddiebstahls bleiben mit 11 (10) Fällen recht überschaubar.

Der Sektor der Gewaltkriminalität zeigt mit – 7,5 Prozent eine erfreulich rückläufige Tendenz. Sogenannte Rohheitsdelikte fielen gar um 22 Prozent auf 135 (173) . Auf ausschließlich "einfache" Körperverletzungsdelikte reduziert, ist ein Rückgang um 38,2 Prozent, das heißt auf 68 (110) Fälle festzustellen. Hier haben sich sicher die Bemühungen bemerkbar gemacht, durch eingehende Vorgespräche zwischen Veranstaltern, Sicherheitsbehörden und Polizei und anschließender konsequenter Umsetzung von Auflagen und Satzungsvorgaben schwerwiegende Sicherheitsstörungen zu vermeiden, sagte der Polizeisprecher. Größere Schlägereien auf Festen und Groß-Events blieben weitgehend aus.

Auch der Bereich der "Häuslichen Gewalt" entwickelte sich positiv im Sinne von weniger Auseinandersetzungen: 26 Fälle (43). Die Anzahl von Delikten gegen Polizeibeamte, wie Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, zeigt sich leicht abnehmend bei 3 Straftaten (4). Straftaten gegen das Leben (Mord, Totschlag) blieben erfreulicherweise gänzlich aus.

Nach messbaren Fakten ist allgemein von geringerem Aggressionspotential im vergangenen Jahr auszugehen, wobei natürlich "nicht alles angezeigt" wurde und wird.

Im Bereich der Rauschgiftkriminalität setzt sich der rückläufige Trend fort: 20 (33) Straftaten. Gleichbleibend auf niedrigem Niveau sind die Delikte gegen die sexuelle Selbstbestimmung: 7 (7).

Nach erheblichen Rückgängen im Vorjahr liegen einzig die Taten im Deliktsfeld der Straßenkriminalität um 11 Fälle (+ 9,3 Prozent) höher als 2010 bei nunmehr 129 (118). Schwerpunkt ist dabei das Delikt der Sachbeschädigung an Autos mit + 15 Fällen auf 35 (20). Auch die sonstigen Sachbeschädigungsdelikte verzeichnen einen Zuwachs von 4,7 Prozent.

An politisch motivierter Kriminalität wurden im rechten Bereich 3 (3) strafrechtlich relevante Delikte registriert, wobei es sich dabei um das "Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen" handelte. Es wurden im Stadtgebiet Dietfurt vereinzelt Aufkleber angebracht, Hakenkreuze an Wände oder Verkehrszeichen "geschmiert" und auch ein "Hitlergruß" dargestellt. Die polizeilich bekannte "Kameradschaft Altmühltal" stehe dabei unter "besonderer Beobachtung der Ermittlungsbehörden".


Besonders interessant sind die "Deliktsbelastungen" der einzelnen Gemeinden. Einen Überblick gibt die Grafik für den Gesamt-Landkreis oben (zur Vergrößerung auf die Grafik klicken) Für die Gemeinde Hohenfels schlagen die Delikte mit Bezug zum Truppenübungsplatz Hohenfels zu Buche und führen zu einer höheren Häufigkeitsziffer, hieß es. Die im Schnitt hohen Werte der Gemeinden Parsberg und Velburg haben zu weiten Teilen ihre Ursache im räumlichen Bezug zur Autobahn A 3 mitsamt ihren Rastanlagen, Parkplätzen und Gewerbegebiete an den Autobahnausfahrten.

"Abschließend ist festzustellen, dass im hiesigen Dienstbereich eindeutige, allgemeine Kriminalitätsbrennpunkte derzeit weder deliktsbezogen noch regional eingrenzbar gegeben sind", sagte Inspektions-Leiter Peter Gotteswinter.

Er nannte einige Straftaten, die im letzten Jahr im südlichen Landkreis für besonders Aufsehen sorgten. Die "sehr positive Entwicklung" der Kriminalitätssituation im Bereich der Inspektion Parsberg unterstreiche, "dass sich unsere Gemeindebürger sicher und wohl fühlen können", sagte Gotteswinter. Fakt sei aber auch, dass im ländlichen Bereich die allgemeine Sozialkontrolle noch wesentlich besser ausgeprägt sei als in städtischer Struktur und die Bürger an der Verbesserung der Sicherheitslage zudem aktiv mitgewirkt haben.

Weitere Statistiken zur Kriminalität im Landkreis:

(zur Vergrößerung auf die Grafiken klicken)









23.03.12
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