Auf Kolbes Spuren


Die Mitarbeiter der Evangelischen Jugend wurden durch das Stammlager Auschwitz I geführt.


Dekanatsjugendpfarrer Tobias Schäfer, Zeitzeuge Kazimierz
Smolen, und die stellvertretende Dekanatsjugendkammer-Vor-
sitzende Andrea Sommer
NEUMARKT. Zwölf Mitarbeiter der Evangelischen Jugend des Dekanates Neumarkt machten sich auf die Spuren von Pater Maximilian Kolbe - nach Auschwitz.

Witterungsbedingt war die Bildungsreise nach Auschwitz/Oswiecim und Krakau/Krakow von den Weihnachtsferien in den März verschoben worden. Unter der Leitung von Dekanatsjugendpfarrer Tobias Schäfer und Dekanatsjugendreferentin Ruth Bernreiter verbrachten die jungen Leute nach einer neunstündigen Anreise die beiden ersten Nächte in der internationalen Jugendbegegnungsstätte im polnischen Oswiecim.

Am Tag nach der Ankunft besuchte die Gruppe die Lager Auschwitz und Auschwitz-Birkenau. Vormittags führte Lucyna Filip, Mitarbeiterin an der Gedenkstätte, durch das Stammlager Auschwitz I. Einen besonderen Diskussionsschwerpunkt bildete das Schicksal des KZ-Häftlings Pater Maximilian Kolbe, dessen Namen in Neumarkt die Fachoberschule trägt.

Der Priester hatte einem Familienvater das Leben gerettet, als er dessen Todesstrafe freiwillig übernahm. Grund war die Flucht eines Häftlings aus dem Konzentrationslager, was die Ermordung von zehn anderen Lagerinsassen durch Verhungern oder - wie bei Pater Kolbe - durch die Giftspritze zur Folge hatte.

Dieses Konzentrationslager Auschwitz I war bei seiner Eröffnung 1940 unter dem 1. Lagerkommandanten Rudolf Höß (hingerichtet 1947 im Stammlager) ursprünglich ein Lager für polnische "politische Gefangene", darunter der Zeitzeuge Kazimierz Smolen. Ab 1941 wurden hier aber hauptsächlich Juden aus ganz Europa, sowjetische Kriegsgefangene sowie Sinti und Roma gefangen gehalten.

Nachmittags fuhren die Teilnehmer zum Konzentrationslager Auschwitz II–Birkenau, ab 1942 das größte Vernichtungslager für deportierte Juden. Nur ein Fünftel der Verschleppten kam in das Arbeitslager; die große Mehrheit wurde insbesondere in Gaskammern ermordet. Die Leichen wurden anschließend in den vier Krematorien, aber auch unter freiem Himmel verbrannt und die Asche auch als Düngemittel verkauft.

Besonders perfide war auch, wie die Opfer getäuscht. Griechischen und ungarischen Juden wurden angebliches Siedlungsgebiet im Osten verkauft. Die Fahrt dorthin, die auch noch selbst bezahlt werden musste, brachte die Menschen aber direkt nach Auschwitz in die Gaskammern.

Das unmenschliche Leben im Lager erläuterte anschließend Kazimierz Smolen, der als Widerstandskämpfer gegen die deutsche Besatzung in Auschwitz inhaftiert war und nach dem Krieg Museumsleiter des KL Auschwitz wurde. Der 91jährige Zeitzeuge überlebte auch den Todesmarsch der Häftlinge am Ende des Krieges nach Österreich und trat als Zeuge bei den Nürnberger und Frankfurter Kriegsverbrecherprozessen auf.

Den dritten Tag der Fahrt verbrachten alle in Krakau, der zweitgrößten Stadt Polens. Nachdem die Jugendlichen am Vormittag die Innenstadt in kleinen Gruppen selbstständig erkundet hatten, nahmen sie nach dem Mittagessen an einer Führung zur Königsburg auf dem Wawelhügel, auf dem auch die Kathedrale steht, sowie dem ehemaligen jüdischen Viertel Kazimierz (Kasimir) teil.

In diesem früher eigenständigen Ortsteil drehte Steven Spielberg übrigens auch mehrere Szenen für seinen Film "Schindlers Liste".

Am Abend durchstreiften die Teilnehmernnen noch einmal die Altstadt von Krakau und fuhren am nächsten Vormittag über Breslau (Wroclaw) nach Neumarkt zurück.

Während der Bildungsreise drehten die Jugendlichen ein Video-Dokumentationstagebuch, um daheim jungen Menschen ebenso wie Erwachsenen in den Kirchengemeinden und Verbänden das Erlebte näher zu bringen. Dabei will die Gruppe auch motivieren, sich selbst mit den Gräueln der Nazis stärker auseinanderzusetzen und selbsttätig Informationen und Eindrücke einzuholen.
10.03.11
Neumarkt: Auf Kolbes Spuren
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