"Aus Förderkulisse herausfallen"


Die Landwirte im Landkreis sorgen sich um erhebliche Kürzungen bei den Ausgleichszahlungen. Unser Archiv-Bild mit BBV-Kreisobmann Martin Schmid (2.v.r.) entstand bei einem "Erntepressegespräch" in Ernersdorf.

NEUMARKT. Viele der 2255 Bauernfamilien im Landkreis Neumarkt sorgen sich um die EU-Ausgleichszahlungen, sagte BBV-Kreisobmann Martin Schmid.

Am Donnerstag-Vormittag stellte EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos die Vorschläge der EU-Kommission in Brüssel vor, wie die EU-Agrarpolitik (GAP) in der neuen Planungsperiode 2014 bis 2020 ausgestaltet werden könnte. "Die Vorschläge von Ciolos würden für die 2255 Bauernfamilien im Landkreis Neumarkt erhebliche Kürzungen bei den Ausgleichszahlungen der ersten und zweiten Säule der EU-Agrarpolitik bedeuten", erklärte Martin Schmid Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes Neumarkt. Außerdem würden große Teile des südlichen Landkreises aus der Förderkulisse "von der Natur benachteiligtes Gebiet" herausfallen.

Die vorgeschlagenen agrarpolitischen Maßnahmen passten nicht mit dem erklärten Ziel der EU-Kommission zusammen, eine wettbewerbsfähige, nachhaltige, flächendeckende europäische Landwirtschaft zu schaffen. Auch fehlten spürbare Entlastungen bei der Bürokratie auf den Bauernhöfen. Hier seien dringend Anpassungen notwendig, um den landwirtschaftlichen Betrieben Zukunftsperspektiven zu bieten, so der Kreisobmann.

Die Pläne der EU-Kommission würden einen für den Landkreis Neumarkt sowie für Deutschland und Bayern insgesamt deutlich verringerten Umfang an EU-Direktzahlungen (erste Säule) für die künftigen Betriebsprämien bedeuten. Diese Zahlungen seien Ausgleich für die Mehrkosten der Bauern durch die hohen europäischen Standards bei Verbraucherschutz, Tierhaltung und Umweltschutz.

Das Einkommen der bayerischen Bauernfamilien sei im letzten Wirtschaftsjahr mit rund 1.500 Euro Bruttomonatslohn infolge der Wirtschaftskrise ohnehin schon sehr dürftig gewesen. "Die EU-Direktzahlungen sichern aber rund 50 Prozent des landwirtschaftlichen Einkommens und sind ein Tragpfeiler der sozialen Marktwirtschaft für die Bauernfamilien", erklärt Schmid. Die Pläne der EU-Kommission würden Arbeitsplätze und Wirtschaftskraft im Landkreis Neumarkt und im ländlichen Raum Bayerns gefährden.

"Aktuell sichert die Landwirtschaft in Bayern mit ihrem vor- und nachgelagerten Bereich mit mehr als 700.000 Arbeitsplätzen mehr als dreimal so viele Arbeitsplätze wie die Automobilindustrie. Darüber hinaus erhalten die Bauern die attraktive Kulturlandschaft, die auch in unserem Landkreis die Grundlage für den Tourismus bildet", so der Kreisobmann.

"Über Cross Compliance müssen die Bauern heute schon europaweit 2680 Kriterien und 590 Standards einhalten., Hier brauchen wir endlich spürbare Vereinfachungen und nicht noch mehr Bürokratie", sagt Schmid. Unverständlich sei zudem, dass die EU-Kommission überhaupt nicht würdige, dass Deutschland die mit Abstand modernste Umsetzung der EU-Agrarpolitik vollziehe. Die Direktzahlungen seien quasi voll entkoppelt und würden auch für Grünland-, Kleegras- bzw. Leguminosenflächen gewährt. Damit erbringe Deutschland bereits enorme Vorleistungen für eine grünere Agrarpolitik. In vielen anderen EU-Staaten wie Österreich, Frankreich, Italien und Holland sei dies nicht der Fall.

"Ich verlange von unseren Europaabgeordneten, von Bundeslandwirtschaftsministerin Aigner und vom bayerischen Landwirtschaftsminister Brunner, dass sie die notwendigen Korrekturen in Brüssel durchsetzen", sagte Schmid.
18.11.10
Neumarkt: "Aus Förderkulisse herausfallen"
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