"Arbeit neu bewerten"

NEUMARKT. "Ohne verbindliche ethisch-moralische Grundsätze wird die Wirtschaft zum Spielball ungezügelten Besitz- und Machtstrebens". Dies betonte der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke bei der Feier des hundertjährigen Bestehens der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) im Bistum Eichstätt.

Allerdings sollte man im Blick auf die jüngsten Entwicklungen nicht im Großen, von der Politik, ein Verhalten fordern, das man im Kleinen nicht selbst aufbringen wolle. "Wir sind in Gefahr, uns in unserer Mentalität und gesellschaftlich zu Zeitarbeitern ohne Milieubindung zu entwickeln; aus Bürgern werden User, bloße Nutzer, die sich fit machen für ihre Ich-AG", sagte Bischof Hanke beim Festgottesdienst im dicht gefüllten Eichstätter Dom. Gerade ein kirchlicher Verband wie die KAB könne zeigen: "Veränderung setzt dann ein, wenn wir beginnen, als Veränderte zu leben".

Das Verhältnis von Sozialnorm zu Marktnorm leide derzeit an einem beträchtlichen Ungleichgewicht, so der Bischof. Fortwährendes Streben ausschließlich nach dem "Immer noch Mehr" gefährde nicht nur die Solidaritätsgemeinschaft der Gesellschaft, sondern auch "unser Denken, unser Inneres, unsere Seelen". So werde bereits die Psyche der Kinder von der Unerbittlichkeit eines Marktes regiert, der sich von der Marktwirtschaft zur Markenwirtschaft entwickelt habe und mit seinen Werbespots längst die Lufthoheit über die Kinderzimmer wahrnehme, oft zum Leidwesen jener Eltern mit schwachem Einkommen.

Die von der kirchlichen Soziallehre vertretenen Positionen hätten in jüngster Zeit, nach dem Bankencrash, neue Aktualität erhalten. Die Welt der Wirtschaft, die Welt der Arbeit funktioniere nicht ohne ethische Prinzipien und Rahmenbedingungen, die einem gerechten Interessensausgleich den Weg bahnen. "Wer behauptet, Ethik und Moral gehören in die Privatsphäre, nicht jedoch in die Welt der Wirtschaft und der Arbeit, verhindert auf Dauer die Realisierung des Gemeinwohls". So betone die kirchliche Soziallehre, dass Eigentum nicht zum Schaden des Gemeinwohls genutzt werden dürfe und im Dienst des öffentlichen Nutzens stehe. Die Finanzkrise sei auch daher verursacht, weil Kapital eine ungleich höhere Stellung im Wirtschaftssystem einnehme als die Arbeit, sagte Bischof Hanke: "Wir brauchen eine neue Sicht und Bewertung der Arbeit in Wirtschaft und Gesellschaft gegenüber dem Kapital".

Für die KAB sei es eine wichtige Aufgabe, ihre Prinzipien gesellschaftlich hörbar zu formulieren. "Vor allem aber brauchen wir Zellen, in denen das, was wir nach außen verkünden, im Rahmen unserer Möglichkeiten gelebt wird - im Verband, in den Ortsgliederungen, in unseren Pfarreien". Trotz gemeinsamer Schnittmengen mit Gewerkschaften, Sozialverbänden und sozialpolitisch orientierten Organisationen müsse die KAB, wolle sie sich und der Kirche treu bleiben, etwas einbringen, das nur der Gläubige der Gesellschaft geben könne: "Die Veränderung, die Bekehrung des Einzelnen im Geist des Evangeliums ist der Beginn des guten Zusammenlebens".

100 Jahre KAB im Bistum Eichstätt stehe für 100 Jahre Engagement im Geist der kirchlichen Soziallehre und für 100 Jahre eines dezidiert kirchlichen Beitrags zur humanen Gestaltung der Welt der Arbeit, stellte der Bischof von Eichstätt fest: "Im Namen des Bistums danke ich für das Engagement der Verbandsmitglieder der KAB, der vielen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen, durch die Jahrzehnte hindurch."
pde
20.09.09
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