"Noch nicht ausgerottet"


Trotz des nasskalten Novemberwetters: Neumarkt gedachte der Kriegstoten.
Fotos: Erich Zwick

Die Neumarkter Chevaulegers in ihren Traditionsuniformen.


Hinter den Kränzen der Stadt, des VdK und der Kameraden-
und Soldatenvereinigung ruft OB Thomas Thumann die
Schrecken der Kriege in Erinnerung.


Pfarrerin Grete Schittenhelm und Dekan Richard Distler
sprechen geistliche Worte.


Angehörige der Bundeswehr und Reservisten tauchen mit
Fackeln die Feier in ein mystisches Licht.
NEUMARKT. "Verleih uns Frieden gnädiglich, Herr Gott zu unsren Zeiten..." Diesen Vers aus dem 9. Jahrhundert griff Pfarrerin Grete Schittenhelm bei der Gedenkfeier zum Volkstrauertag am Sonntag auf, zu der trotz des unwirtlichen Novemberabends eine stattliche Zahl an Bürgern aller Altersstufen in den Eichelgarten gekommen war.

Leben wir etwa nicht in Frieden?, stellte sich unausgesprochen die Frage, zumal – worauf Oberbürgermeister Thomas Thumann in seiner aufrüttelnden Ansprache hinwies – seit Ende des Ersten Weltkrieges 90 Jahre und seit dem Schweigen der Waffen des grauenvolleren Zweiten gut 60 Jahre ins Land gezogen sind.

Die Fackelträger von Abteilungen der Bundeswehr, die die Feier in ein mystisches Licht tauchten, gaben eine stumme Antwort: Sind wir nicht doch in Kriege verwickelt, in denen deutsche Soldaten als "Gefallene" zu beklagen sind? Der Bittruf aus dem 9. Jahrhundert darf auch tausend Jahre später nicht ungehört verhallen; der Volkstrauertag hat sich leider noch nicht erledigt.

Das sah auch Oberbürgermeister Thomas Thumann nicht anders: "Leider zeigt uns die Welt auf grausame Weise, dass der Stachel des Krieges nicht überall und für immer ausgerottet ist", beklagte er. "Noch immer ist der Krieg als Mittel der Politik in manchen Ländern und Regionen an der Tagesordnung", fuhr er fort.

Gerade im kriegsgeschundenen Neumarkt, dessen Altstadt zu 90 Prozent zerstört wurde, wisse man, was Krieg bedeutet. "Gerade hier in dieser Stadt haben viele Menschen den Krieg hautnah und in äußerster Bedrängnis erlebt: Brennende Häuser, das Heulen von Sirenen, explodierende Bomben, verletzte Körper und die ständige Sorge um die Angehörigen gehörten für viele dazu", rief das Stadtoberhaupt die besonders schrecklichen Tage der ersten Monate des Jahres 1945 in Erinnerung.

Bei der traurigen Bilanz, die der Oberbürgermeister unter das Kriegsende zog, lief wohl so manchem ein kalter Schauder über den Rücken: 800 Neumarkter sind umgekommen, 250 gelten als vermisst, 187 sind bei den Bombenangriffen der Alliierten ums Leben gekommen, 400 Ungarn und andere Ausländer starben bei einem Fliegerangriff auf den Neumarkter Bahnhof.

Als der ersehnte Friede das schreckliche Inferno beendete, begann ein Weg der Versöhnung – eine Versöhnung über Gräber hinweg. Die Kraft, die daraus geschöpft werden kann, wünschte Thomas Thumann allen Menschen aller Nationen dieser Welt.

Dann könnte vielleicht eines fernen Tages der Volkstrauertag vom Kalender gestrichen werden.
Erich Zwick


Die musikalische Umrahmung der würdevollen Feierstunde besorgten die Werkvolkkapelle und der Gesangverein Liederkranz (unser Bild).
16.11.08
Neumarkt: "Noch nicht ausgerottet"
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