20.000 Menschen beim Roßmarkt


Kopf an Kopf drängen sich schätzungsweise 20.000 Rossmarkt-Besucher vor dem Podium, auf dem Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer spricht.
Fotos:Erich Zwick

Bürgermeister Rudolf Eineder als Gastgeber verfolgt genau,
was Horst Seehofer dem Fernsehpublikum erklärt und was er den
Zuhörern am Rossmarkt vorenthalten hat.


Ein paar Spruchbänder gehörten dazu - ohne Gehässigkeiten,
allenfalls mit einem Schuss Ironie: "Schöne Grüße an die Mer-
kel - wir brauchen keine Monsanto-Ferkel".


Er "outet" sich als "bayerischer Bauer", obwohl er aus der ehe-
mals Freien Reichstadt kommt: ein Bauer aus Nürnberg-Wetzen-
dorf.


Ein Großaufgebot uniformierter und ziviler Sicherheitskräfte
kann Minister Seehofer nicht von einem "Bad in der Menge" ab-
bringen.
BERCHING. Erst hatte er sich verspätet, dann wollte er sich kurz fassen und schließlich überraschte er nach einer gut halbstündigen Rede mit der lapidaren Feststellung: "Das, was die hier versammelten Journalisten hören wollen, behalte ich lieber für mich selbst."

Groß überrascht von dem Schlusswort war wohl keiner; denn dass Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer beim Berchinger Rossmarkt "die Sau raus lassen" und seinen Verzicht auf den Posten des CSU-Landesvorsitzenden artikulieren würde, hatte wohl keiner der schätzungsweise 20.000 Zuhörer ernsthaft erwartet. Also: Die Katze blieb im Sack.

Trotz seines Zuspätkommens nahm ihm dies keiner aus dem Publikum krumm - ganz im Gegenteil: artiger Beifall schlug ihm immer wieder entgegen, was durchaus als Wertschätzung durch das überwiegend ländliche Publikum ausgelegt werden kann. Zumindest erntete er keinen einzigen Pfiff, geschweige denn einen Buh-Ruf. "Wer ihn kennt", deutete der Minister diese Zuneigung selbst, der wisse, dass ihn ihm eine "soziale Ader" schlägt.

Was er nicht vom Podium verkündete, tat er aber anschließend vor laufenden Fernsehkameras und im Blitzlicht-Gewitter der Fotografen: Selbstverständlich werde er an der Kandidatur festhalten und es auf eine Kampfabstimmung auf dem Parteitag ankommen lassen. Schließlich stärke dies nur die Demokratie, wenn zwischen zwei Kandidaten gewählt werden kann.

Angesprochen auf die hohen Sympathiewerte seines "Rivalen", Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber, führte er den Noch-Ministerpräsidenten Edmund Stoiber als abschreckendes Beispiel an. Am Anfang einer Woche hätte er noch so viel Zustimmung gehabt, dass er damit in drei Wahlkämpfe hätte ziehen können - am Ende reichte es nicht mal mehr für einen.

"Politiker sind für die Menschen da, und nicht die Menschen für die Politiker", hatte er vorher den trotz Schneeregenschauer ausharrenden Zuhörern mit auf den Weg gegeben, ehe er sich eine Gasse durch die festlich herausgeputzten Rösser und durch die ihm nahe kommenden Besucher des traditionsreichen Marktes bahnte.

Mit sichtbarer Freude stellte er fest, dass er der erste Bundeslandwirtschaftsminister sei, der auf einem Berchinger Rossmarkt die Hauptansprache halten darf.

"Einen Landwirtschaftsminister hatten wir schon mal da", schränkte da Gastgeber und Bürgermeister Rudolf Eineder ein, "der kam im Gefolge des damaligen Bundeskanzlers." Beim Rundgang über den Markt schickte der Kanzler seinen Minister vor, "damit der mal ein Pferd sieht."

Damit hatte das Stadtoberhaupt die Lacher auf seiner Seite wie auch der Sprecher bei der Preisverteilung an die Pferdehalter, die teilweise schon seit 5 Uhr in der Früh auf den Beinen waren. "Die Prämierung nimmt jetzt unser Herr Pauli vor", verkündete der Ansager, um sich aber flugs zu verbessern: "Natürlich unser Johann Paulus vom Amt für Landwirtschaft."

Pauli ist der Familienname jener Fürther Landrätin, die mit ihrer "Bespitzelungsaffäre" den Sturz des Landesvaters Stoiber ausgelöst hatte.

Solche Fehler passieren halt manchmal, und auch Minister Horst Seehofer ist einer unterlaufen, als er sich in der Geographie leicht vertat und sich statt in Berching in Beilngries wähnte.

Im Zeichen der Globalisierung tut so ein Schnitzer nicht weh, zumal ja Beilngries längst nach Oberbayern abgegeben worden ist und damit die Fehde der Städte an Sulz und Altmühl der Vergangenheit angehört. Zur Globalisierung hatte der Minister aber auch Ernsthaftes anzumerken: Man dürfe nicht die sicheren deutschen Kernkraftwerke abschalten und dafür risikobehafteten Strom aus den Nachbarstaaten beziehen, die es mit der Umwelt nicht so genau nähmen.

Daher forderte er die heimische Landwirtschaft auf, vermehrt auf Ölpflanzen zu setzen. Die Anbaufläche hätte sich in den letzten Jahren vervielfacht und sie würde noch weiter steigen, weil sie den Bauern eine sichere Einnahmequelle und dem Verbraucher eine geringere Abhängigkeit vom krisenbehafteten Erdöl verschaffe.

"Und weil wir auf dem Pferdemarkt sind", sinnierte Horst Seehofer weiter, müsse er auch einiges zum "Amtsschimmel" sagen. Der unsägliche Bürokratismus dürfe nicht so weit führen, dass die Landwirte einer Schikane ausgesetzt seien. Stallkontrollen dürften nicht "überfallartig" durchgeführt werden, sondern eine Anmeldung wäre ein Akt der Höflichkeit, und Milchproben ließen sich genau so gut in der Molkerei ziehen und nicht schon im Stall. Denn wenn hygienisch einwandfreie Milch in die Molkerei kommt, dann kann sie vorher nicht belastet gewesen sein.

Er als Minister pflege einen engen Kontakt zu der berufsständischen Vertretung der Landwirte. Bei seinen Vorgängern - er nannte vornehm keinen Namen - hätte man in Paris vorsprechen müssen, um in Brüssel Gehör zu finden. "Diesen Umweg können Sie sich jetzt sparen - mein Ministerium ist in Berlin."

Nur zu gerne hörten die Ehrengäste die aufmunternden Worte "ihres" Ministers: allen voran der mit Leib und Seele mit der Landwirtschaft verwurzelte Europa-Abgeordnete Albert Deß und CSU-Kreisvorsitzender Albert Füracker, aber auch die "Bindeglieder" zwischen Land und Stadt, Bundestagsabgeordneter Alois Karl und Staatssekretär Hans Spitzner.
Erich Zwick
07.02.07
Neumarkt: 20.000 Menschen beim Roßmarkt
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