Stoiber war kein Thema


Das Finale auf der Bühne mit Schornsteinfeger und Konditormeister Norbert Wittl.
Fotos: Erich Zwick

Der Minister mal zwei: Michael Glos am Rednerpult und auf
Großleinwand.


Bundeswirtschaftsminister Michael Glos begrüßt die Geistlich-
keit - hier Stadtpfarrer Norbert Winner.


Das Ballettstudio Wechselberger sorgte für ein farbenprächtiges
Showprogramm.


In der ersten Reihe, eingekeilt zwischen CSU-Repräsentanten,
Oberbürgermeister Thomas Thumann (UPW) mit Partnerin.


"Glos mit Soß" für den Minister und seine Gattin.


Zwei, die in ihrer gemeinsamen Bonner Zeit Freundschaft ge-
schlossen haben: der damalige Bundestags- und jetzige Euro-
paabgeordnete Albert Deß und Michael Glos. Links der Haupt-
geschäftsführer der Handwerkskammer Mittelfranken, Prof. Dr.
Elmar Forster.


Trotz der 750 Besucher des Neujahrsempfangs blieb für Ober-
bürgermeister Thomas Thumann Zeit für ein kurzes tete-à-tete
mit seiner Partnerin.
Foto: Susanne Weigl
NEUMARKT. Bei der CSU in Neumarkt "ist die Welt in Ordnung": 750 Mitglieder und Freunde der Partei - so viel wie nie zuvor - kamen zum traditionellen Neujahrsempfang des Stadtverbandes in den Reitstadel, der aus allen Nähten zu bersten drohte. Die Ränkespiele um den Bayerischen Ministerpräsidenten und Parteivorsitzenden Dr. Edmund Stoiber blieben außen vor - sie waren allenfalls ein paar Nebensätze wert.

Dafür hatten die Redner des Abends Wichtigeres zu vermitteln. Mit gesteigertem Interesse wurden die Perspektiven, die der Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, Michael Glos, MdB aufzeigte, vom Publikum verfolgt, aber auch Show und feinsinniger Humor kamen nicht zu kurz.

Zwei der Pointen gleich vorweg: In Schweinfurt - seinem Wahlkreis - hätten die Leute lieber "kurze Reden und lange Bratwürst'", brachte der Minister sein Publikum zum Schmunzeln, obwohl er schließlich nicht danach handelte. Nicht mit Bratwürsten, aber auch mit gutem Essen hatte der zweite "Kracher" zu tun, den "Bundestagsabgeordneter und Oberbürgermeister a.D." - so sein kompletter Titel im Programm - zündete: Er überreichte dem Unterfranken einen Karton "Kloß mit Soß", eigens für den Empfänger umetikettiert in "Glos mit Soß", auf dass er (figürlich) der Neumarkter Kulturreferentin Dr. Gabriele Moritz ähnlicher werden möge.

Statt der sonst üblichen musikalischen Begleitung durch eine Kapelle, gaben diesmal die Eleven des Ballettstudios Wechselberger eine optische Einstimmung auf den Jahresempfang, den Ingrid Loichinger mit Esprit und Herz moderierte. Alle, die im Festsaal und auf der Empore keinen Sitz- oder Stehplatz mehr fanden, verwies sie charmant ins Foyer, wo auf Großbildleinwand das Geschehen nach unten transferiert wurde.

Die drangvolle Enge war für Stadtverbandsvorsitzenden Helmut Jawurek das Signal dafür, wie dringend notwendig doch eine Stadthalle sei. Der kurzfristig eingeladene Oberbürgermeister Thomas Thumann - mit Partnerin in der ersten Reihe platziert - nahm "den Wink mit dem Zaunpfahl" freundlich kopfnickend zur Kenntnis.

Schon allein die Ehrengäste hätten sämtliche Logen einer Stadthalle gefüllt, allen voran die Geistlichen, die Dekane Richard Distler und Dr. Wolfgang Bub sowie Stadtpfarrer Norbert Winner. Nach den drei Stellvertretern des Landrats, Albert Füracker, Ludwig Fürst und Willibald Gailler, erhielten die Vertreter der Wirtschaft, des Handwerks und des Handels und vor allem der Kredit-Institute nur noch "En-bloc-Beifall", sonst wäre bereits die Begrüßung durch Helmut Jawurek ins schier Unendliche ausgeufert.

Trotzdem müssen noch zwei Persönlichkeiten besonders hervorgehoben werden, die sich um die CSU im Landkreis besonders verdient gemacht haben und noch machen: der frühere Landtagsabgeordnete Ludwig Rupp ("Rupp-Spez'") und der Europa-Abgeordnete Albert Deß, auch von Michael Glos als langjähriger Weggefährte im Bundestag mit Lobesworten bedacht.

Rückblickend auf 2006 stellte Helmut Jawurek dankbar fest, dass das Jahr "ein gutes" gewesen sei - sowohl für den Bürger als auch für die Unternehmer: "Wenn es den Unternehmen gut geht, dann geht es auch deren Mitarbeitern gut", brachte es der Stadtverbandsvorsitzende auf den Punkt.

Auch die Stadt könne eine überaus positive Bilanz ziehen: Es wurde nicht nur ein ausgeglichener Haushalt vorgelegt, sondern per Saldo kam die Stadt mit 33 Millionen besser im Säckel weg als prognostiziert.

Die angestoßenen Projekte - Unteres Tor und Stadthalle beispielsweise - würden schrittweise vorangetrieben, denn "die Mehrheit der CSU im Stadtrat wird darauf achten, dass kein Stillstand eintritt", versprach Helmut Jawurek und an die Adresse des Oberbürgermeisters ergänzte er: "In der CSU hat er einen verlässlichen Partner."

In gewohnter Kürze, aber nicht an Deutlichkeit fehlend, brachte Landrat Albert Löhner seine "Neujahrsbotschaft" unter die Leute. Nicht ohne den Landkreis könne die Stadt mit ihrer Schuldenfreiheit brillieren; denn der Landkreis sei mit seinen wesentlichen Kreiseinrichtungen - "so 15 bis 16 an der Zahl, allen voran das Klinikum" - in der Stadt vertreten. Daher lobte er die gute Zusammenarbeit, die sich, "wenn möglich", noch verbessern ließe.

"Stoiber wird Bayern und die CSU so lange führen, wie er glaubt, die Kraft dazu zu haben", begann Bundeswirtschaftsminister diplomatisch seinen Festvortrag, wobei er der Krise nicht auswich, sie aber nicht in den Reitstadel hineintrug. So konnte er sich voll und ganz auf das Verbreiten von berechtigtem Optimismus konzentrieren, indem er die "Seriosität und Glaubwürdigkeit" der Deutschen als besondere Tugenden nannte.

"Deutschland ist in der Welt wieder angesehen - nicht nur wegen der Fußballweltmeisterschaft und des deutschen Papstes", resümierte er, sondern auch wegen vieler kleiner Mosaiksteinchen, zu denen er auch die Rücklagen der Stadt Neumarkt in einem "Juliusturm", der eigentlich "Karlsturm" heißen müsste (wegen des besonnenen Wirtschaften des früheren Oberbürgermeisters), zählte.

Veränderungen, so der Minister, müsse man als eine Chance begreifen, womit der auf die EU-Osterweiterung anspielte. Die Exporte in diese Länder seien am meisten angestiegen, deshalb sollte man die Entwicklung "nicht bejammern". Da sei schon eher zum Jammern, wie die Energieversorger mit den Verbrauchern umgehen. Deren Preiswillkür will er allerdings einen Riegel vorschieben, was den Stromkunden nur zu gute käme. Freilich: ein abrupter Ausstieg aus der Kernenergie komme für ihn so lange nicht in Frage, so lange nicht sinnvolle Alternativen gefunden seien.

Ehe Bundestagsabgeordneter Alois Karl das Schlusswort sprach, lockerten Ballett und ein filmischer Rückblick der Journalisten Ingrid und Gerd Maschek das doch etwas sitzfleischstrapazierende Rednermarathon auf. Mit dem bekannten Schlussbild - Schornsteinfeger und Zuckerbäcker - ging's dann zum gemütlichen Teil ins Foyer, wo die Frauenunion die inzwischen hungrig und durstig gewordenen Gäste "verköstigte".
Erich Zwick

Nicht gerade "steif" ging's bei den Festreden zu. Hier schmunzeln Landrat Albert Löhner, Stadtverbands-Vorsitzender Helmut Jawurek, die Minister-Gattin, MdB Alois Karl mit Gattin Hildegard und MdEP Albert Deß über ein Bonmot des Wirtschaftsministers.
13.01.07
Neumarkt: Stoiber war kein Thema
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