SPD: Mit Optimismus in die Wahl


Strahlen Optimismus aus: OB-Kandidatin Ursula Plankermann,
Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly und SPD-Ortsver-
einsvorsitzender Karl-Heinz ("Charly") Brandenburger.
Foto: Erich Zwick
NEUMARKT. Von einer "Abschlußveranstaltung des OB-Wahlkampfes" war nichts spürbar und eine "Pressekonferenz" verläuft normalerweise auch ein bißchen anders.

Zu beiden hatte der SPD-Ortsverein in das Sportheim des BSC Woffenbach eingeladen, aber heraus kam eher ein gemütlicher Stammtisch - von einem "Kampf" keine Spur, wäre da nicht der prominente Ehrengast des Abends, Nürnbergs Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly, mit halbstündiger Verspätung hinzugestoßen.

Er sprach seiner hoffnungsfrohen Genossin Ursula Plankermann Zuversicht auf den kommenden Sonntag zu, an dem sie den Stuhl des Neumarkter Stadtoberhauptes erklimmen will. Dazu wünschte der Gast seiner vielleicht späteren "Kollegin" viel Glück und die nötigen Wählerstimmen.

Ortsvereinsvorsitzender Karl-Heinz Brandenburger hatte sich eigens für das "SPD-Familientreffen" eine rote Krawatte umgelegt, was aber nicht vom siegessicheren Auftritt der Kandidatin ablenken konnte. "Ob denn die Zeit reif sei für eine Oberbürgermeisterin?", würde sie immer wieder gefragt, gab Ursula Plankermann das Problem an die inzwischen das Nebenzimmer sprengende Zuhörerschaft weiter, und wußte selbstredend auch gleich die Antwort: "Wenn nicht jetzt, wann dann?"

Und sollte es nicht zu einem Wahlsieg reichen, dann wäre es auch schon ein Erfolg, die dominierende Partei in eine Stichwahl zu zwingen, gab sich die SPD-Kandidatin ein klein wenig bescheidener. Mit dieser "Ersatzlösung" mochte sich Bergs Bürgermeister Helmut Himmler nicht anfreunden, der der "mutigen Frau" nach Bergmannsbrauch (/wahrscheinlich wegen der Dillberg-Nähe) "Glückauf" für den Sonntag wünschte.

Den Dillberg hatte auch Oberbürgermeister Dr. Ulrich Maly im Visier, als er seine Verbundenheit zu Neumarkt unter Beweis stellte. Dort sei er als Bub Schlitten gefahren, weil Verwandte von ihm ein Wochenendhaus in Schwarzenbach besaßen. Bis heute zöge es ihn immer wieder in die Oberpfalz, um seine Freizeit bei feinem Essen in den gediegenen Gasthäusern sinnvoll auszugestalten.

Außerdem hätte ihn mit dem nach Berlin gegangenen Neumarkter Amtskollegen Alois Karl so etwas wie eine Duz-Freundschaft verbunden. Als sich erst kürzlich in Coburg ihre Wege kreuzten und er, der Uli, den Alois gefragt hat, was schöner sei, in Neumarkt auf dem Pferd zu sitzen oder in Berlin auf der Hinterbank, hätte er keine Antwort bekommen. "Vielleicht ergründen Sie's später einmal", ermunterte er die mögliche Alois-Karl-Nachfolgerin im Amt des OB.

Breiten Raum in seiner freien Rede nahm das Verhältnis der kleineren und mittleren Städte und des ländlichen Raums zu Nürnberg in der neu abgesteckten Metropolregion ein. "Neumarkt und das Gebiet bis Parsberg ist nicht auf Regensburg, sondern auf Nürnberg ausgerichtet; mehr als vielleicht Fürth auf Nürnberg" - ein Ausspruch, der zwar wahr ist, aber in der Kleeblattstadt sauer aufstoßen könnte. Auch als Maly die SPD-regierten Kommunen nach Osten bis Hersbruck und nach Westen bis Zirndorf aufzählte, "vergaß" er glatt Fürth.

Was noch bemerkenswert war: OB Maly fand kein einziges schlechtes Wort über die bisherige Neumarkter Stadtregierung. Ganz im Gegenteil: eine Oberbürgermeisterin Ursula Plankermann könne auch mit CSU-Räten zusammenarbeiten und mit ihnen zum Wohl der Stadt dienen.

Auf die Neumarkter Stadtentwicklung eingehend plädierte der Nachbar-OB für ein "ganzheitliches Angebot", das Neumarkt genau so wie Nürnberg haben müsse. "Wir begegnen uns auf gleicher Augenhöhe wie mit allen anderen Partnern in der neuen Metropolregion."

Damit das Treffen auch noch einen anderen Akzent bekam, trug der Betriebsratsvorsitzende der Firma Max Bögl die Sorgen und Ängste der Arbeitnehmer vor, die zwar vom Gast aus Nürnberg geteilt wurden, aber auf Bundes- und Landesebene gelöst werden müssten.

Ehe auf einen erfolgreichen Wahlsonntag mit einem Gläschen Sekt angestoßen wurde, verabschiedete Karl-Heinz Brandenburger den Nürnberger Gast mit einem sichtbaren Dankeschön: Er erhielt eine aus Anlass des Neumarkter Parteijubiläums aufgelegte Armbanduhr als Erinnerung an den Besuch "vor seiner Haustür".
Erich Zwick
01.12.05
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