"Dialog statt Ein-Weg-Modell"


Bischof Valerian entzündet das Friedenslicht
NEUMARKT/ EICHSTÄTT. (pde) Voneinander lernen und den Austausch pflegen – unter diesen Vorzeichen wird die 50 Jahre bestehende Partnerschaft zwischen den Diözesen Eichstätt und Indien in Zukunft die Schwerpunkte setzen. Dies wurde bei der Jubiläumsfeier der Bistumspartnerschaft am Sonntag in Eichstätt deutlich.

Man hoffe auf beiden Seiten auf eine Vertiefung des gegenseitigen Kennenlernens und die Erweiterung des Dialogs auf den verschiedensten Ebenen, so Domkapitular Prof. Bernhard Mayer, der Eichstätter Diözesanbeauftragte für Weltkirche. Aus dem vor 50 Jahren „nach dem klassischen Ein-Weg-Modell der Mission“ adoptierten indischen „Patenkind“ sei ein ebenbürtiger Partner geworden. Für das Bistum Eichstätt habe die Partnerschaft den Grundstein für ein weltkirchliches Netzwerk gelegt.

Beim Festgottesdienst im Dom erinnerte der Bischof von Poona, Valerian d´Souza, an die große Not, die in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg herrschte. Dennoch „adoptierte“ das kleine Bistum Eichstätt eine Diözese aus der „Dritten Welt“. Eichstätt war das erste Bistum in Deutschland, nach den Worten des indischen Bischofs wahrscheinlich sogar das erste Bistum weltweit, das eine solche Patenschaft übernahm. Aus der Patenschaft sei mittlerweile eine Partnerschaft geworden, die nicht nur eine Sache des Geldes, sondern eine „Sache des Herzens und der Liebe“ sei. Gemeinsam, vor allem auch mit dem zukünftigen Bischof von Eichstätt, werde man überlegen, wie man zusammen auch anderen über die Grenzen der Diözese Poona hinaus helfen könne.

Beim anschließenden Festakt begrüßte Diözesanadministrator Dompropst Johann Limbacher die siebenköpfige Delegation aus der Diözese Poona. Den Sternsingern sei es zu verdanken, dass im Bistum Eichstätt die Diözese Poona ein Begriff geworden sei, so Limbacher. Er dankte besonders Bischof Valerian D’Souza für seinen persönlichen Beitrag zum gegenseitigen Austausch: durch seine regelmäßigen Besuche im Bistum Eichstätt, die Firmspendungen und weitere Aushilfen – nicht zuletzt die Spendung der Priesterweihe während der Sedisvakanz 1995. Als „Geburtstagsgeschenk“ überreichte Johann Limbacher dem Bischof von Poona eine Reliquie des Eichstätter Bistumspatrons St. Willibald.

Die Gäste aus Poona waren zum Gegenbesuch nach Eichstätt gekommen: Zuvor hatte vom 5. bis 14. November eine Delegation des Bistums Eichstätt unter Leitung von Dompfarrer Domkapitular Franz Mattes das indische Partnerbistum besucht. Dabei erlebten die offiziellen Bistumsvertreter und eine Gruppe von Journalisten, was 50 Jahre Partnerschaft bewirkt haben. Zum eigentlichen Jahrestag der Partnerschaft am 6. November zelebrierte Bischof Valerian D’Souza gemeinsam mit Dompfarrer Mattes einen Festgottesdienst in der Kathedrale St. Patrick in Pune (so die heutige offizielle Bezeichnung für die Stadt Poona).

Beeindruckende Bilanz

Die Bilanz nach 50 Jahren Partnerschaft beeindruckte die Delegationsteilnehmer: Mit finanzieller Unterstützung aus Eichstätt wurden Hilfsprojekte für Straßenkinder und Selbsthilfegruppen für Frauen gegründet, Krankenstationen und ein Behindertenheim gebaut, Schulen für Kinder aller Religionen eingerichtet. Es entstanden Jugendheime, Häuser für Witwen und Senioren, Kirchen, pastorale Zentren und Pfarrhäuser. Als „Zentrum der Hoffnung“ gründete Bischof Valerian D’Souza anlässlich seines silbernen Bischofsjubiläums mit Eichstätter Geldern für AIDS-Infizierte das Haus „Asha Kiran“.

Maßgeblichen Anteil an dieser Bilanz haben die Sternsinger, die von Anfang an für die Partnerdiözese von Haus zu Haus ziehen: Millionen gingen so in fünf Jahrzehnten nach Indien, zuletzt mehr als 400.000 Euro im Jahr. Längst ist aus der Patenschaft eine echte Partnerschaft geworden. So sind seit 1998 Priester aus Poona in der Diözese Eichstätt seelsorgerisch tätig. Bischof Valerian D’Souza hatte einmal gesagt: „Was ich an Eichstätt schätze ist, dass Eichstätt zu Poona nie gesagt hat, ihr müsst das oder das tun, oder, wenn ihr das tut, dann können wir nicht weiter helfen. Sie haben dem Bischof von Poona immer die ganze Freiheit überlassen. Sie helfen, aber sie haben keine Bedingungen, keine Forderungen. Und das, so meine ich, ist wirkliche Partnerschaft.“

Grenzen überschritten und neue Maßstäbe gesetzt

Zwei Priester aus der Diözese Eichstätt waren es, die den Anstoß für die ersten Kontakte gaben: Der aus Schwabach stammende Jesuitenpater Pius Geisel und Domkapitular Paul Spreitzer, damals Dompfarrer in Eichstätt. Geisel war Generalvikar des ersten einheimischen Bischofs von Poona, Andrew D’Souza. Die beiden Priester hatten die Idee, ihre beiden Bischöfe miteinander bekannt zu machen - dass dadurch eine Partnerschaft wird, die mehr als 50 Jahre Bestand hat, ahnten sie damals nicht. Jedenfalls kam es vor 50 Jahren zu der inzwischen historischen Begegnung der beiden Bischöfe in Rom. „Wir können die Weitsicht von Bischof Josef Schröffer nur bewundern, der weit vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil einen sehr kühnen Schritt unternahm, indem er die Partnerschaft mit der Diözese Poona begann“, so Bischof Valerian D’Souza. Diese Initiative hatte Vorbildcharakter: Die erste Partnerschaft einer deutschen Diözese mit einer Diözese in einem Missionsland wurde zu einer Inspiration für andere Diözesen.

Am 6. November 1955 übernahm die Diözese Eichstätt im Rahmen eines Pontifikalgottesdienstes in Anwesenheit von Bischof Andrew D’Souza die Patenschaft für die Diözese Poona. Bischof Schröffer sagte damals im Eichstätter Dom: „Es soll sich zeigen, dass das Reich Gottes wirklich alle Grenzen überschreitet, die Grenzen des Raumes und der Nationen, die Grenzen der Farben und der Sprachen, der Rasse und Kultur.“ Weiter meinte der Eichstätter Bischof: „Was unsere Brüder drüben bewegt, soll auch uns bewegen. Ihre Sorgen sollen unsere Sorgen sein.“ Nicht nur die Spendenfreudigkeit, auch das Interesse der Eichstätter an ihrer Patendiözese ist enorm. Als Schröffer 1964 von einer sechswöchigen Reise aus Indien zurückkommt, berichtet er im Stadttheater über eine Eindrücke. Der Andrang ist so groß, dass die Veranstaltung mit Lautsprechern in zwei weitere Säle der Stadt übertragen werden muss.

Neue Impulse für die Patenschaft brachte der Besuch von Bischof Walter Mixa 1997 in Poona. „Eine breite Brücke bauen, um einander zu stützen und zu helfen“ lautete das Ziel, das in den folgenden Jahren in persönlichen Kontakten, weiteren gegenseitigen Besuchen und fünf „Dialogforen“ vertieft wurde.
20.11.05
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