Viel mehr „Häusliche Gewalt“


Beim letzten Treffen erhielt die scheidende Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Daniela Herbrecher einen Blumenstrauß
Foto: Daisy Miranda
NEUMARKT. In der Stadt Neumarkt haben sich die Fälle von „Häuslicher Gewalt“ in den Jahren von 2015 bis 2019 fast verdreifacht. Im Landkreis stieg die Zahl der Fälle in diesem Zeitraum von 112 auf 146 an.

Viele Bäckereien im Landkreis beteiligen sich am internationalen Gedenktag am Mittwoch an einer Kampagne "Gewalt kommt mir nicht in die Tüte".

Erst vor wenigen Tagen wurde vor dem Landgericht Nürnberg Fürth ein 38jähriger Mann wegen versuchten Totschlags zu einer mehrjährigen Freiheitsstrafe verurteilt, nachdem er seine damalige Lebensgefährtin in Berching massiv attackiert hatte (wir berichteten). Allein in der Stadt Neumarkt stiegen von 2915 bis 2019 die Zahlen von „Häuslicher Gewalt“ von 42 auf 122 Fälle, heißt es in einer aktuellen Statistik.

Und nach Berichten aus Frauenhäusern, Beratungsstellen und Hilfetelefonen wird davon ausgegangen, daß in der Zeit der Corona-Pandemie „Häusliche Gewalt“ eher zunimmt – zumal man damit rechnen muß, dass die Dunkelziffer deutlich höher liegt als die Zahl der polizeibekannten Fälle.


Im Landkreis Neumarkt wollen sich viele Bäckereien an einer „Bäckertütenaktion“ zum Internationalen „Tag der Gewalt gegen Frauen“ beteiligen, der weltweit am 25. November begangen wird. Initiiert wird die Kampagne von den Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinden.

Dabei werden am Mittwoch Backwaren in extra dafür bedruckten Tüten verkauft. Auf diesen Tüten finden sich Telefonnummern, die erste Unterstützung bei drohender oder erlebter häuslicher Gewalt anbieten. Hilfesuchende, von Gewalt betroffene Frauen, können sich anonym beraten lassen (Hilfetelefon 08000 116 016) oder sich auch konkrete Unterstützung über die Frauenhäuser und Beratungsstellen holen.

Laut einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Familien, Senioren, Frauen und Jugend wurden im letzten Jahr 141.792 Opfer von Partnerschaftsgewalt erfasst, knapp ein Prozent mehr als im Jahr zuvor. Zu 81 Prozent waren Frauen betroffen. Die Hälfte der Opfer lebte zum Tatzeitpunkt mit dem Täter oder der Täterin in einem Haushalt. Das Ministerium nennt die Zahlen schockierend: an fast jedem dritten Tag werde in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet. Und alle 45 Minuten werde eine Frau Opfer von vollendeter und versuchter gefährlicher Körperverletzung durch Partnerschaftsgewalt.

Die Zahlen aus dem Landkreis Neumarkt (in Klammern aus der Stadt Neumarkt): Nach Angaben aus dem auch für Neumarkt zuständigen Polizeipräsidium Oberpfalz waren während der Ausgangsbeschränkungen im Frühjahr die bei der Polizei bekanntgewordenen Fälle Häuslicher Gewalt rückläufig. Das Anzeigeverhalten im Anschluss ließ die Zahlen dann jedoch wieder auf Vorjahresniveau ansteigen. Ein aussagekräftiger Vergleich der Fälle Häuslicher Gewalt mit Blickrichtung auf die Auswirkungen der Corona-Maßnahmen in diesem Jahr mit den Vorjahren wird erst im nächsten Jahr zu erwarten sein.

Die Bäckertütenaktion in den Gemeinden wird begleitet von der Gleichstellungsstelle im Landkreis Neumarkt. Bei einem Treffen noch vor dem Novemberlockdown konnten die Bäckertüten an die Vertreter der Gemeinden weitergegeben werden.

In den Gemeinden des Landkreises sind 18 Frauen und ein Mann mit der Funktion betraut, vor Ort Erstansprechpartner zu sein für alle Anliegen und Fragen rund um Chancengleichheit- unabhängig vom jeweiligen Geschlecht. Von Seiten des Landratsamtes werden die Gleichstellungsbeauftragten in den Gemeinden vor Ort seit acht Jahren von Daniela Herbrecher koordinierend unterstützt.

Mit den Kommunalwahlen in diesem Jahr konnten im Netzwerk „alte“ und „neue“ Ansprechpartner in den Gemeinden vor Ort von Herbrecher im Netzwerk für Gleichstellungsarbeit begrüßt werden. Daniela Herbrecher übergibt die Position als Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis nun an Susanne Niebler.
24.11.20
Neumarkt: Viel mehr „Häusliche Gewalt“
Telefon Redaktion


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