"Silberstreif am Horizont"


Im Baubereich, der bislang weniger stark von den Krisenauswirkungen betroffen gewesen ist, zeigt sich die aktuelle Lage weiter robust
Foto: IG Bau
NEUMARKT. Die Corona-Pandemie prägt weiterhin die wirtschaftliche Lage des Handwerks. Doch Hoffnung ist laut Handwerkskammer in Sicht.

Von einem "Silberstreif am Horizont" ist im aktuellen Konjunkturbericht die Rede.

Gegenüber dem zweiten Quartal 2020, das von deutlichen Umsatzrückgängen geprägt war, sei nun im dritten Quartal ein leichter Aufwärtstrend erkennbar. Ein zweiter Lockdown könnte dieses zarte Pflänzchen des Aufschwungs jedoch wieder zerstören.

Das Geschäftsklima ist laut Konjunkturbericht in allen Handwerksgruppen weitgehend stabil. Eine leichte Erholung sei fast überall eingetreten. "Die Betriebe sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage wieder etwas zufriedener, wenngleich sie weit entfernt sind vom Niveau vor Ausbruch der Corona-Krise, sagt Jürgen Kilger, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.


Nach wie vor leidet das Handwerk dennoch spürbar unter dem Konjunktureinbruch: Unternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage um 29 Prozentpunkte schlechter als noch 2019. Trotz leichter Entspannung kämpft knapp ein Drittel der Betriebe weiterhin mit rückläufigen Auftragseingängen. Besonders deutlich betroffen sind das Kraftfahrzeuggewerbe sowie die Handwerke für den privaten Bedarf.

Auch in anderen Gruppen, wie dem Lebensmittelgewerbe, plagt einen größeren Teil der Betriebe die Zurückhaltung der Kunden. Diese schlägt sich bei den Umsätzen nieder: Aktuell verzeichnet ein Drittel der Betriebe Umsatzrückgänge. Das sind zwar weniger als noch im Frühling. Dennoch sei die Entwicklung "so schlecht wie seit Jahren nicht mehr", heißt es in der Umfrage unter Ostbayerns Handwerksbetrieben.

Beim Blick auf die Beschäftigtenzahlen zeigt sich nach Worten des Kammer-Hauptgeschäftsführers die traditionelle Verbundenheit des Handwerks zu seinen Mitarbeitern. Nur jeder achte Betrieb hat im abgelaufenen Quartal seine Beschäftigtenzahl verringert. Rund ein Fünftel der Betriebe stellte sogar neue Mitarbeiter ein.

Bei der Prognose zu den kommenden Monaten bleiben die Betriebe jedoch zurückhaltend. Mit einem schnellen Ende der Krise rechnet demnach so gut wie niemand. Rund ein Drittel der Betriebe erwartet stattdessen im Winter sinkende Aufträge und Umsätze. "Vor allem zurückgestellte Investitionstätigkeiten und ein verändertes Konsumverhalten bereitet der Handwerkswirtschaft Sorgen", sagt Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer. "Die gesamtwirtschaftlichen Prognosen, darunter das Herbstgutachten, bestärken uns leider in unserer Einschätzung, dass die wirtschaftliche Erholung länger dauert, als zunächst angenommen." Folgen habe das auch für das Handwerk. Deshalb seien staatliche Hilfen weiterhin von immenser Bedeutung für die Betriebe. Außerdem, betont Haber, dürfe es keinen zweiten Lockdown geben: "Das können viele Handwerksbetriebe in Ostbayern nicht mehr verkraften."
obx
22.10.20
Neumarkt: "Silberstreif am Horizont"
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