Gefahren werden unterschätzt


Gefährliches Badevergnügen: die Johanniter gaben Tipps zum verhalten bei Badeunfällen
Foto: Jan Dommel
NEUMARKT. In den kommenden heißen Tagen mit bis zu 30 Grad sind Baggersee, Weiher oder Freibad angesagt. Doch dort lauern auch Gefahren, hieß es von den Johannitern.

Bundesweit ertranken im letzten Jahr mindestens 417 Menschen. „Mutproben wie Kopfsprünge in unbekannte Gewässer, zu viel Alkohol oder das Überschätzen der eigenen Kräfte führen häufig zu lebensgefährlichen Situationen im Wasser", sagt Dr. Andreas Spall, Standortarzt der Johanniter in Ostbayern.

Besonders gefährdet sind Kleinkinder – für sie wird selbst ein Gartenteich oder ein Planschbecken zum Risiko, wenn sie dort unbeaufsichtigt spielen.

Gerät ein Mensch im Wasser in Not, sollten Helfer zuallererst den Rettungsdienst über die 112 alarmieren. „Retter bringen sich leicht selbst in Gefahr, wenn sie versuchen, Ertrinkende aus dem Wasser zu ziehen, sofern sie keine ausgebildeten Rettungsschwimmer sind", warnte Spall. Direkten Körperkontakt sollte man nach Möglichkeit vermeiden, denn in seiner Angst kann der Ertrinkende um sich schlagen oder durch Klammern den Rettenden unter Wasser ziehen.

Besser sollte man der Person einen schwimmenden Gegenstand reichen, am besten einen Rettungsring, und sie dann an Land ziehen.


Schnelle Erste Hilfe ist lebenswichtig: „Bewusstlose, die normal atmen, werden in die stabile Seitenlage gebracht. Dafür wird der Kopf überstreckt, der Mund geöffnet und das Kinn auf dem Handrücken abgelegt. Das untere Knie ist angewinkelt. Dann die Atmung regelmäßig überprüfen", sagte Spall „Wenn der Gerettete nicht oder nicht normal atmet, beispielsweise sehr langsam und schnappend, müssen Ersthelfer sofort mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung beginnen, bis der Rettungsdienst eintrifft."

Man wolle alle Menschen ermutigen, die Wiederbelebung durchzuführen, hieß es von den Profis. „Dabei kann man nichts falsch machen. Nichts zu tun, ist für den Patienten viel gefährlicher, denn Sauerstoffmangel verursacht irreparable Hirnschäden.“

Wer regelmäßig seine Erste-Hilfe-Kenntnisse auffrischt, sei in Notsituationen viel souveräner. Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung fremder Personen könne derzeit auf eine Atemspende verzichtet werden, wenn man Sorge hat, sich zu infizieren. „Wer im Moment auf die Atemspende verzichtet, sollte wenigstens die Herzdruckmassage kontinuierlich durchführen – auch das versorgt das Gehirn noch eine gewisse Zeit mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff im Blut“, so Dr. Spall.

Bei Menschen, die aus dem Wasser gerettet werden, besteht zusätzlich die Gefahr einer Unterkühlung. Die gerettete Person sollte auf jeden Fall mit Handtüchern, Decken oder trockener Kleidung gewärmt werden – am besten mit einer Rettungsdecke aus dem Erste-Hilfe-Kasten im Auto.
24.06.20
Neumarkt: Gefahren werden unterschätzt

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