Kooperation statt Fachschule


Klinikum und Hochschule unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung
Foto: Schwindl
NEUMARKT. Das Neumarkter Klinikum und die Ostbayerische Technische Hochschule Regensburg haben eine Kooperationsvereinbarung im Bereich der akademischen Hebammenausbildung unterzeichnet.

Damit sind die Pläne für eine eigene Berufsfachschule für Hebammen und Entbindungspfleger in Neumarkt „gestorben“.

Ab Oktober 2019 können Studenten den Bachelorstudiengang Hebammenkunde an der Hochschule belegen, das Neumarkter Klinikum fungiert als Partnerklinik in der fachpraktischen Ausbildung und stellt drei Praktikumsplätze zur Verfügung.

Die Anforderungen an den Hebammenberuf sind in den letzten Jahren deutlich komplexer geworden, hieß es. Hebammen eien immer stärker gefordert, ihr Handeln stets neu zu reflektieren und vor dem Hintergrund wissenschaftlicher Erkenntnisse zu überdenken und anzupassen. Die Beratung von Schwangeren, Gebärenden, Wöchnerinnen und jungen Familien sowie die mitwirkende Entscheidungsfindung besäßen im Hebammenwesen eine hohe Bedeutung.

Diesem Hintergrund folgend hat die Bundesregierung im Mai einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet, um den Hebammenberuf zu akademisieren.


Der grundständige Studiengang Hebammenkunde an der Regensburger Hochschule ist einer der ersten solchen Studiengänge, der in Bayern angeboten wird. Er orientiert sich sowohl am Hochschulgesetz wie auch an der bisherigen Ausbildungsverordnung für Hebammen und ist auf eine Regelstudienzeit von sieben Semestern ausgelegt. Die Fachtheorie wird im Rahmen von Modulen inRegensburg absolviert. Die Studenten absolvieren innerhalb der sieben Regelsemester die staatliche Prüfung zur Hebamme und schließen zusätzlich noch mit dem akademischen Grad „Bachelor of Science“ ab. Nachdem es bereits Masterstudiengänge in Deutschland gibt, wird den Hebammen somit zukünftig auch der Zugang zu Master- und Promotionsstudiengängen erleichtert.

Wie in der Hebammenausbildung wird ein großer Fokus auf die praktische Ausbildung gelegt, sie umfasst deshalb 3000 Stunden Praxis. Die Studenten durchlaufen neben den Einsätzen im Kreißsaal, Wochenbettstation, Neugeborenenstation auch Einsätze im OP, auf operativen und nicht-operativen Pflegestationen. Durch eine zusätzliche Kooperation zwischen dem Neumarkter Klinikum und der Klinik St. Hedwig in Regensburg, die federführend an der Entwicklung des Studiengangs beteiligt war, soll sichergestellt werden, dass im Rahmen eines Rotationssystems mit abgestimmtem Einsatzprogramm den Studierenden eine bestmögliche und umfangreiche praktische Ausbildung in allen Bereichen des Hebammenberufes ermöglicht wird.

Zur Unterzeichnung des Kooperationsvertrages kamen Hochschulpräsident Prof. Dr. Wolfgang Baier und Hochschulvizepräsidentin Prof. Dr. Klaudia Winkler – sie ist gleichzeitig kommissarische Leiterin des Studienganges – nach Neumarkt, um den zukünftigen Praxiseinsatzbereich auch noch persönlich in Augenschein zu nehmen.

Beide zeigten sich von dem erst im Januar in Betrieb genommenen Kreißsaal beeindruckt. Gemeinsam mit Landrat Willibald Gailler und Klinikvorstand Peter Weymayr zeigten sie sich überzeugt, dass die künftige Kooperation sehr gute Früchte tragen werde. Prof. Dr. Heinz Scholz, Chefarzt der Frauenklinik und zugleich Ärztlicher Leiter der Kreiskliniken, Peter Berndorf, Leiter des Schul- und Studienzentrums am Klinikum Neumarkt, sowie Kerstin Hartmann, Hebamme und fachliche Begleiterin der Kooperation, zeigten sich zuversichtlich, dass der Hebammennachwuchs im Landkreis durch diese Kooperation langfristig gesichert werde.

Mit dieser Kooperation sind die ursprünglichen Planungen des Klinikums obsolet, eine eigene Berufsfachschule für Hebammen und Entbindungspfleger ab Herbst zu starten. Weil die Kooperation mit der Regensburger Hochschule so schnell und sogar zeitgleich mit der ursprünglich geplanten Hebammenschule starten kann, mache es keinen Sinn mehr, zweigleisig zu fahren und den enormen zusätzlichen Aufwand für die Berufsfachschule zu betreiben.
31.07.19
Neumarkt: Kooperation statt Fachschule
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