„IS“-Sympathisant verhaftet


Unbekannte haben im Oktober letzten Jahres einen Anschlag auf einen ICE verübt
Foto: Archiv/pixabay
NEUMARKT. Zu dem spektakulären versuchten Anschlag auf einen ICE-Zug an der Landkreisgrenze wurde jetzt ein Tatverdächtiger festgenommen.

Der Schnellzug sollte im Oktober letzten Jahres mit einem über die Gleise gespannten Seil zum Entgleisen gebracht werden. Ein Bekennerschreiben wurde nahe der Gleise im Gemeindegebiet Pyrbaum gefunden.

Es hätte eine Zugunglück mit katastrophalen Folgen werden können: am 7. Oktober hatten Unbekannte auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München ein Stahlseil zwischen den Oberleitungsmasten befestigt und mit Metallteilen verstärkte Holzkeile auf die Gleise gelegt (wir berichteten mehrfach). Glücklicherweise zerfetzte der heranrasende ICE 821 Dortmund - München das Stahlseil und blieb auf den Gleisen. Am Zug entstand nur vergleichsweise geringer Schaden. Verletzt wurde niemand.


In der Nähe des Anschlagsorts fanden Ermittler im Gemeindegebiet Pyrbaum in arabischer Sprache abgefasste Drohschreiben sowie Schmierschriften, die einen Bezug zu der terroristischen Vereinigung „Islamischer Staat“ (IS) herstellen ließen, bestätigte damals ein Sprecher des Landeskriminalamtes auf Anfrage von neumarktonline.

Tat gestanden

NEUMARKT. Österreichischen Zeitungsberichten zufolge hat der festgenommene Mann inzwischen die Tat gestanden. Er soll jedoch jeden terroristrischen Hintergrund abgestritten haben.

Der Iraker ist nach Informationen der österreichischen „Kronen-Zeitung“ anerkannter Flüchtling, verheiratet und hat fünf Kinder. Er sei bereits vor 20 Jahren als Flüchtling nach Europa gekommen. In Wien habe er an der Technischen Hochschule studiert und als Mitarbeiter einer Security-Firma Zugang zu sensiblen Sicherheitsbereichen wie Fußballstadien und Einkaufszentren gehabt, heißt es in dem Boulevard-Blatt.

Er habe im Internet radikale Islam-Prediger verherrlicht und wegen des Anschlags in Neuseeland Muslime dazu aufgerufen, zu den Waffen zu greifen.
Jetzt konnte in Wien ein tatverdächtiger 42jähriger irakischer Staatsangehöriger festgenommen werden, der offensichtlich mit dem IS sympathisiert.

Durch die Ermittlungen einer zu diesem Zweck gegründeten länderübergreifend tätigen gemeinsamen Ermittlungsgruppe (BAO Trasse) ergab sich ein konkreter Tatverdacht gegen den Mann, der in der österreichischen Hauptstadt wohnt. In Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Wien, dem Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung der Republik Österreich (BVT) und dem Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung Wien (LVT) wurde der 42jährige Mann am Montag in der Nähe seiner Wiener Wohnung durch Spezialeinheiten verhaftet.

Am Heiligen Abend und am ersten Weihnachtsfeiertag 2018 wurde in Berlin ein ähnlicher „Eingriff an einer Bahnstrecke“ in Karlshorst entdeckt, bei dem auch ein Oberleitungsschaden festgestellt worden war. Im Rahmen der polizeilichen Spurensuche und -sicherung wurden in Tatortnähe ebenfalls Schriftstücke in arabischer Sprache sowie eine Flagge des IS gefunden.

Da die in Berlin und im Landkreis Neumarkt entdeckten Schriftstücke augenscheinlich große Übereinstimmungen aufweisen, wurden die Ermittlungen in sehr enger Zusammenarbeit zwischen der Generalstaatsanwaltschaft Berlin, der Generalstaatsanwaltschaft München (ZET) und den Landeskriminalämtern Berlin und Bayern geführt.

Gegen den Tatverdächtigen liegen inzwischen Haftbefehle der Staatsanwaltschaft Wien wegen Verdachts der terroristischen Straftaten des versuchten Mordes und der schweren Sachbeschädigung, der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung und dem Verbrechen der kriminellen Organisation sowie des Amtsgerichts München wegen des Verdachts des versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr und versuchter Störung öffentlicher Betriebe vor.

Bayerische und Berliner Ermittler sind derzeit in Wien, um an der Vernehmung teilzunehmen und die österreichischen Ermittler zu unterstützen.
27.03.19
Neumarkt: „IS“-Sympathisant verhaftet
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