"Wenig positive Bilanz"

NEUMARKT. Die Feierlichkeiten zur Teil-Einweihung der Mühlhausener Umgehungsstraße (wir berichteten mehrfach) sind vorbei. Jetzt kommt heftige Kritik von den Naturschützern.

Man freue sich natürlich, dass die Anwohner endlich aufatmen können, heißt es in einer Stellungnahme des Bundes Naturschutz - "aber das wäre auch mit dem halben Landverbrauch gelungen". Insgesamt ziehen die Naturschützer eine "wenig positive Bilanz".


Wir veröffentlichen die Stellungnahme der Neumarkter Kreisgruppe im Wortlaut:

Nun ist sie also befahrbar, die Umgehung von Mühlhausen. Die Anwohner sind nicht länger lärmgeplagt und das ist gut so. Aber sonst? War das wirklich ein Freudentag für Mühlhausen? Schließlich wurden 20 Hektar Landschaft geopfert, das sind ca. 27 Fußballplätze. Auch auf einer Fläche von 10 Hektar hätte eine leistungsfähige Umgehung errichtet werden können. Wo bleibt der Ersatz für 10 Hektar Wald? Und wie werden die 10 Hektar Anbaufläche ausgeglichen? Die Straße hat in allen Belangen Vorfahrt erhalten und alle anderen Daseinsfunktionen und Wohlfahrtswirkungen für die Menschen wurden hintangestellt.

Es wurde auf die Renaturierung der Sulz hingewiesen. Eine Verbesserung dieses Gewässers ist sicher erfreulich, steht aber nicht in Verbindung mit dem Straßenneubau. Eine kleine Aufforstung ersetzt nicht die gedankenlose Waldzerstörung. Und wo sind die Sandmagerwiesen entstanden? Wird es den Amphibien in Zukunft besser gehen, weil sechs Querungstunnel gebaut wurden? Wo wurde erprobt, ob die Frösche und Kröten derart lange Tunnel annehmen? Natürlich lebt es sich – Gott sei Dank – an Mühlhausens Hauptstraße künftig menschlicher, wurden aber nicht die Wohlfahrtswirkungen der Umgebung stark beeinträchtigt?

Es besteht nur wenig Hoffnung, dass die „Rehau“ und der „Löchlbrunn“ den drastischen Eingriff überstehen werden. Die „Sicherungsmaßnahmen“ sind technische Lösungen, die fatal an das erinnern, was seinerzeit beim Bau des RMD-Kanals mit den Irrle-Wiesen bei Dietfurt passierte.

Als sich der BN an die Regierung von Regensburg wandte und um Berücksichtigung und Erhaltung dieser einmaligen Naturflächen in unserer Heimat bat, kam nur der lapidare Hinweis, die Zeit für Einwände wäre verstrichen. Dabei hatte aber der VFR (Verein zur Erforschung des Regnitzgebietes e.V.) schon längst (nämlich 2011) auf die Problematik und vor allem die Einmaligkeit dieses Gebietes aufmerksam gemacht und das staatliche Bauamt Regensburg darüber informiert. Hinzu kommt natürlich die Tatsache, dass sowohl die Untere als auch die Höhere Naturschutzbehörde kompetente Mitarbeiter in ihren Reihen haben und hier sicher wertvolle Verbesserungen hinsichtlich der Trassenführung eingebracht haben. Diese Bedenken fanden aber kein Gehör.

Warum wurden all diese Vorschläge nicht zur Kenntnis genommen? Warum wurde die Baumaßnahme ohne Rücksicht auf die Natur in Rekordzeit durchgeboxt, als ob es keine Diskussion über ausufernden Flächenverbrauch gäbe, als ob der Klimawandel in Mitteleuropa kein Problem wäre, als ob die Preise für landwirtschaftliche Flächen nicht explosionsartig nach oben gingen?

Was muss noch passieren, bis die nüchternen Fakten endlich zur Kenntnis genommen werden und in den Planungen die ihnen nötige Gewichtung erfahren?

Auch in der Bevölkerung ist der Unmut über die Art und Weise, wie hier mit der Natur schändlich umgegangen wurde, sehr groß. Spöttisch wird über die Stadtautobahn mit drei Abfahrten gewitzelt! Aber offensichtlich setzt die Politik darauf, dass der Volkszorn sich mit der Zeit wieder legt und das eine Argument der Verkehrsberuhigung im Ortszentrum alles andere übertüncht.

Soeben wurde ein wissenschaftlicher Ländervergleich veröffentlicht, der belegt, dass ausgerechnet Bayern im Bereich Mobilität und Umwelt den letzten Rang aller 16 Bundesländer belegt! Dazu tragen natürlich solche nur auf Machbarkeit getrimmten Projekte maßgeblich bei.

Der Bund Naturschutz erwartet von den Planern und Behörden, dass endlich die fundierten fachlichen Argumente der Naturschutzbehörden, der Verbände und der wissenschaftlichen Stellen ernst genommen werden und nicht einer Bauwut untergeordnet werden, die schon im Alten Testament ausführlich beschrieben wurde. Dort wird dieses Phänomen unter dem Namen „Tanz ums Goldene Kalb“ erzählt - ein Opferritus, dem wohl keiner zustimmt.

22.11.18
Neumarkt: "Wenig positive Bilanz"
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