Umwidmung vertragt

NEUMARKT. OB Alois Karl war gnädig, als er Flitz-Stadtrat Hans-Walter Kopp unterbrach: Der stellte gerade im Stadtrat den Antrag, die Albert Reich-Straße in Neumarkt statt dem Nazi-Kunstmaler künftig dem gleichnamigen Theologen zu widmen. Den Karl wußte schon: Vermutlich hat es den ominösen "Pastor Albert Reich" niemals gegeben !
(Bericht hier)

Offenbar war eine ganze Reihe von Stadträten verschiedenster Coleur einem Buben-Streich zum Opfer gefallen: Am Straßenschild der Albert-Reich-Straße waren ungewöhnlicherweise zwei Erklärungstafeln angebracht. Das eine wies korrekt auf den Kunstmaler hin, der nach Recherchen der Neumarkter Nachrichten das Nazi-Regime tatkräftig unterstützt hat. Das zweite Schild nennt einen evangelischen Theologen mit Geburts- und Todesdatum.

Offensichtlich wurde dieses zweite Schild von der nahegelegenen Bodelschwingh-Straße abmontiert und von Unbekannten an der Albert-Reich-Straße angebracht. Die Daten des "evangelischen Theologen" passen nämlich genau zu Franz von Bodelschwingh. Das war bis Donnerstag-Nachmittag niemandem aufgefallen !

Bevor die Sache zu peinlich wurde, flüchteten sich die Stadträte in den Beschluß, weitere Recherchen durchzuführen und damit das Stadtarchiv und den Historischen Verein zu beauftragen. OB Karl würdigte allerdings auch ausdrücklich die umfangreichen Recherchen des Nachrichten-Redakteurs Wolfgang Fellner, der die Sache ins Rollen gebracht hat.

Kein Wunder also, daß in keinem Archiv etwas über den Neumarkter Pastor Albert Reich zu finden war. Selbst der evangelische Dekan wurde befragt, konnte aber nicht weiterhelfen.

Es wurde beschlossen, das Thema Straßenumbenennung auf die Tagesordnung des Stadtrates zu setzen, wenn die unseligen Machenschaften des Albert Reich, aber auch seine möglichen Verdienste, genauestens untersucht sind. Die Straße wurde ihm übrigens im Hahr 1956 gewidmet und der Straßenname tauchte 1961 erstmals in einem Register auf

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