71 Lkw durften nicht weiterfahren !NEUMARKT. An neun Kontrollstellen in Niederbayern und der Oberpfalz haben insgesamt 115 Polizeibeamte fünf Stunden lang vorwiegend den Schwerverkehr "unter die Lupe" genommen. Am Donnerstag wurde von 9 bis 14Uhr hauptsächlich unter dem Aspekt "Ladungssicherung" kontrolliert. Aber auch andere Verstöße, wie Lenkzeitüberschreitungen, Überladung oder abgefahrene Reifen blieben nicht unbeachtet. Die Kontrollaktion wurde zusammen mit dem Gesamtverband der
Versicherungswirtschaft (GdV) durchgeführt, der für jede der neun
Kontrollstellen einen "in Sachen Ladungssicherung" versierten Ingenieur
bereitstellte.
Die Beamten kontrollierten an allen neun Örtlichkeiten zusammen insgesamt 794 Fahrzeuge, wobei 286 beanstandet werden mussten. Von diesen 238 Beanstandungen bezogen sich alleine 137 Verwarnungen und Anzeigen auf fehlerhafte Ladungssicherung, bei 71 (!) dieser 137 Fahrzeuge musste die Weiterfahrt unterbunden werden. Bereits im Jahr 2002 wurde vom PP Niederbayern/Oberpfalz eine solche Großkontrolle initiiert, wobei 514 Fahrzeuge angehalten wurden. Für die Kontrollen des Schwerlastverkehrs muss der einzelne Polizeibeamte mit umfangreichem Detail- und Spezialwissen ausgestattet sein. Gerade diese Sonderkontrolle "Ladungssicherung" zusammen mit dem GdV dient auch der Fortbildung und der Sensibilisierung der ostbayerischen Polizisten mit diesem Thema. Auf dem BAB-Parkplatz "Benhof" bei Regenstauf auf der A 93 Richtung Regensburg beispielsweise wurde gegen 11.00 Uhr ein Lastzug aus Tschechien angehalten. Er hatte 10 Tonnen Rollcontainer geladen, die gegen seitliches Wegrutschen völlig unzureichend gesichert waren. Der Fahrer brauchte zwei Stunden, bis er an Ort und Stelle mit Zurrgurten seine Ladung ordentlich gesichert hatte. Einige Kilometer entfernt, auf dem Parkplatz Barbing an der A 3 wurde ein 47-jähriger Türke mit seinem Gespann aufgehalten, der schon 25 Stunden am Steuer gesessen hatte! Sofort wurde eine Zwangspause angeordnet. An der Kontrollstelle des Parkplatzes Pilsting an der A 92 wurde ein Lastzug angehalten, der vier Stahlwalzen mit einem Gesamtgewicht von 23 Tonnen geladen hatte. Diese waren weder nach vorne noch nach hinten gegen Wegrollen gesichert. Der Fahrer musste sich über seinen Firmenchef die erforderliche Anzahl von Spanngurten kommen lassen, damit er vorschriftsmäßig sichern konnte. Eine Wartezeit, über die weder Fahrer noch Unternehmer glücklich waren. Ein weiteres Beispiel eines krassen Ladungsverstoßes war auf dem Parkplatz
Sulzbach auf der A 3 bei Passau vorzufinden. Ein 31-jähriger Rumäne
transportierte 15 Paletten mit Metallringen (ca. 20 Tonnen) die im Laufe der
Fahrt wegen fehlender Sicherung derartig verrutscht waren, dass der
Auflieger mit Planenaufbau völlig schief stand.
Einer der häufigsten Fehler beim Beladen von Lkw ist das Weglassen von so genannten Klemmmitteln, die im Falle einer starken Bremsung ein Verrutschen nach vorne oder zur Seite verhindern sollen. Die Folgen einer schlecht gesicherten Ladung werden vor allem dann offenkundig, wenn beispielsweise schwere Eisenteile bei einer Vollbremsung, einem Ausweichmanöver oder einem Unfall auf die Fahrbahn katapultiert werden oder sich beim Herabfallen in ein anderes Fahrzeug bohren. Sichere Ladung ist nicht nur ein Thema für Lkw! Ein häufiger Anblick im täglichen Straßenverkehr ist z. B. der in Pkw auf der Hutablage deponierte Autoatlas. Dieses etwa 1,5 kg schwere Teil wird bei einem Frontalaufprall mit 50 km/h nach vorne geschleudert und entwickelt dann ein Aufprallgewicht von ca. 82 kg. Schirme, Getränkekästen oder auch Hunde werden gerade in Pkw oft ungesichert transportiert. Im Pkw gilt: schwere Gegenstände nach unten laden, keine Sachen auf die Hutablage, Gepäck direkt an die Rückenlehne stellen. Der an der Kontrolle auf dem Parkplatz Benhof bei Regenstauf auf der A 93 beteiligte Uwe-Peter Schieder von der Transportabteilung des GdV sieht einen Hauptgrund in den häufigen Normverstößen in den Bereichen der Ladungssicherung in der mangelnden Ausbildung der Fahrer und auch der Verlader in den Firmen. Meistens wissen die Beteiligten nicht, wie schnell eine mangelhaft gesicherte Ladung, die meist tonnenschwer ist, in Bewegung geraten und Ursache für schwere Verkehrsunfälle sein kann. Das Polizeipräsidium Niederbayern/Oberpfalz möchte mit diesen Kontrollen seine Polizeibeamten und auch Verantwortliche sowie die Öffentlichkeit für das Thema "Ladungssicherung" weiter sensibel machen. Vor allem sollen nicht nur Wettbewerb, sondern Sicherheit wichtige Argumente bei den Verantwortlichen sein. Erstellt am
(Seitenanfang)
![]() |
Schreiben Sie uns ! E-Mail-Kontakt
|