Lammsbräu vergibt Öko-RenteNEUMARKT. Am 22. November 2002 erhielten Tim Brand und Thomas Kaiser, Institut für Energie- und Umwelttechnik sowie Manfred Kerschensteiner, Neumarkter Lammsbräu, die diesjährige Öko-Rente der Neumarkter Lammsbräu. Die Überreichung der Urkunden erfolgte durch Dr. Franz Ehrnsperger, Inhaber der Neumarkter Lammsbräu, in Anwesenheit von Prof. Dr. Volker Stahlmann, Georg-Simon-Ohm-Fachhochschule Nürnberg, Fachbereich Betriebswirtschaft und Felix Gruber, Leiter des Referates Umweltpreis und Umweltinformationsvermittlung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt.
Dr. Franz Ehrnsperger, Inhaber der Neumarkter Lammsbräu mit Gattin Hemma Ehrnsperger (re. außen) sowie Tochter Sabine Kuschka (li. außen), bei der Verleihung der Neumarkter Lammsbräu Öko-Rente 2002 an Tim Brand, Manfred Kerschensteiner und Thomas Kaiser (v. re. n. li.). Felix Gruber (3. v. li.), Leiter des Referates Umweltpreis, gratulierte als Vertreter der Deutschen Bundesstiftung Umwelt. Um die Nachhaltigkeit ökologischen Denkens und Handelns weiter zu fördern, hatte sich Dr. Franz Ehrnsperger nach dem Erhalt des Deutschen Umweltpreises im Jahr 2001 dazu entschieden, aus seinem Preisgeld und der Investition in neue Technologien zur Herstellung und Abfüllung von ökologischen Bierspezialitäten jährlich 10.000 Euro als Öko-Rente zu vergeben. Der Inhaber der Neumarkter Lammsbräu hatte die höchstdotierte Umweltauszeichnung Europas zusammen mit Prof. Dr. Auernhammer und Dr. Wolfgang Feist erhalten. Die Jury Die Jury, die alljährlich über die Vergabe der Öko-Rente entscheiden wird, setzt sich wie in diesem Jahr aus Prof. Dr. Volker Stahlmann, Prof. Maximilian Gege und Prof. Dr. Hubert Weiger sowie Dr. Franz Ehrnsperger zusammen. Die Preisträger Tim Brand und Thomas Kaiser wurden mit der Öko-Rente 2002 für die Entwicklung einer Ackerbau- und Sämethode, die sowohl eine hohe Qualität und Erntemenge für Braugerste, wie auch einen zusätzlichen Ertrag von circa 300 kg Ölsaat je Hektar ermöglichen, ausgezeichnet. In vielen Versuchen fanden sie heraus, dass Leindotter als Pflanze im Mischfruchtanbau die ideale Ergänzung für Braugerste ist. Die Idee zum Mischfruchtanbau entstand aus der Tatsache, dass im ökologischen Landbau keine Unkrautvernichtungsmittel eingesetzt werden dürfen. So begannen die beiden Preisträger vor über zehn Jahren mit der Nutzbarmachung natürlich vorkommender Beikräuter im Getreidebau. Sie fanden heraus, dass die im Erntegut enthaltenen Beikräutersamen Öl enthalten. Aus dieser Entdeckung entwickelte Thomas Kaiser, der durch die Ideen-Schmiede für Pflanzenöl-Motoren eines Ludwig-Elsbeth maßgeblich geprägt wurde, ein nachhaltiges Mobilitätskonzept für Landwirte und Abnehmer agraischer Produkte. Die Grundidee war, Beikräuter, die sich im ökologischen Getreidebau nicht vermeiden lassen, so zu kultivieren, dass sie einen zusätzlichen Ernteertrag darstellen. Nach der Ernte wird das Gut in der haus-eigenen Mälzerei bzw. in der Getreidemühle bei der Vorreinigung getrennt. Die Braugerste gelangt zur Vermälzung; die Ölsaat in die Ölmühle, in der sie zu Pflanzenöl als Treibstoff für Kraftfahrzeuge und zu Ölkuchen als hochwertiges Futtermittel weiterverarbeitet wird. Mit diesem nachhaltigen Mobilitätskonzept, für das herkömmliche Dieselmotoren verwendet werden können, entsteht kein Treibhauseffekt, da der CO2-Kreislauf geschlossen ist. Bei der Verbrennung des Kraftstoffes wird nur so viel CO2 in die Umwelt abgegeben, wie vorher die Pflanze zur Assimilation des Öls im Samen aus der Luft benötigt hat. Da Pflanzenöl keinen Schwefel enthält, ergibt sich auch kein SO2-Ausstoss in den Auspuffgasen und somit kein saurer Regen. Da der Ölkuchen verfüttert wird und als Dung wieder auf die Felder aufgebracht wird, schließt sich der Nähr-stoff-Kreislauf für die Böden. Thomas Kaiser und Tim Brand konnten ihre Erfahrungen aus dem Mischfruchtanbau mit Braugerste mittler-weile auf Backweizen und Futtererbsen übertragen. Manfred Kerschensteiner ist seit 17 Jahren für Neumarkter Lammsbräu tätig. Mit der Verleihung der Öko-Rente 2002 ehrt die Brauerei den 32-jährigen Mitarbeiter für seine Verbesserungs-vorschläge, in deren Vordergrund immer der Umwelt- und Qualitäts-gedanke steht. Durch die Vorschläge Manfred Kerschensteiners konnte die Brauerei wesentliche Ersparnisse in den unterschiedlich-sten Prozessabläufen erzielen. Da der Brauer für die technischen Bereiche Sudhaus, Gär- und Lagerkeller verantwortlich ist, hat er durch seine Tätigkeit direkten Einfluss auf alle umweltrelevanten Stoffe wie Strom, Wärme, Wasser sowie Reinigungs- und Desinfektionsmittel. Aufgrund eines Verbesserungsvorschlages von Manfred Kerschen-steiner werden heute die Gär- und Lagerkellerabteilungen nicht mehr im Kreislaufsystem automatisch gereinigt und desinfiziert, sondern nur wenn Bedarf besteht. Hierdurch können Säuren, Laugen, Additive, Wasser, Strom, thermische Energie sowie Arbeitszeit eingespart werden. Eine Stromersparnis von 3.200 kWh/Jahr erzielte die Brauerei durch den Verzicht einer Druckerhöhungspumpe für das Wasser, das beim Auslaugen des Treberkuchens mittels Warmwasser im Sudhaus benötigt wird. Durch den Vorschlag von Manfred Kerschensteiner wird heute der natürliche Falldruck des Wassers genutzt, der sich daraus ergibt, dass sich der Warmwasservorrats-behälter oberhalb des Läuterbottichs befindet. Außerdem wurde auf Vorschlag des Preisträgers die Wassermenge im Vorratsbehälter erhöht. Der Arbeitsaufwand für das Versetzen der Sonde, die den Wasserstand im Tank festlegt, betrug eine halbe Stunde Arbeitszeit. Heute können so 4.000 l Heizöl, Strom und Wasser gespart werden. Durch einen weiteren Vorschlag von Manfred Kerschensteiner wurde die bisher sehr aufwendige Hopfengabe während des Brauprozesses, bei gleichzeitiger Energieeinsparung, wesentlich vereinfacht. Die Brauerei Neumarkter Lammsbräu wurde 1628 erstmalig urkundlich erwähnt und befindet sich seit 1800 im Besitz der Familie Ehrnsperger. Seit Anfang der 80er Jahre hat sich die mittelständische Brauerei einer konsequenten Umweltphilosophie verschrieben. Alle Braugetreide stammen ausschließlich aus ökologischem Anbau. Seit 1989 braut Neumarkter Lammsbräu nach Richtlinien für die Herstellung ökologischer Biere und Braurohstoffe mit höchsten Sicherheits-standards. Wesentlicher Bestandteil der Braurichtlinien ist die Mälzung des Getreides in der hauseigenen Mälzerei, die in der deutschen Braulandschaft eine Seltenheit darstellt. |
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