Zahl der getöteten Motorradfahrer hat sich halbiert !

 

NEUMARKT/REGENSBURG. Im Jahr 2000 wurden 20 Biker bei

Verkehrsunfällen getötet – mehr als doppelt so viel wie 2002. Als sich seinerzeit

diese traurige Entwicklung abzeichnete, reagierte die Polizeidirektion

Regensburg entschlossen. Ein ähnlicher Blutzoll als Begleiterscheinung des

boomenden Motorradmarktes sollte sich im Schutzbereich der Polizeidirektion

Regensburg (Stadt Regensburg, Landkreise Regensburg, Neumarkt i.d.OPf. und

Cham) nicht wiederholen.

Die eigens dafür eingesetzte 5köpfige Arbeitsgruppe analysierte tödliche

Motorradunfälle bis ins Detail und erarbeitete Lösungsansätze, die in der

Motorradsaison 2001 erstmals und in der Folge auch in diesem Jahr konsequent

in die Tat umgesetzt wurden.

Diese Arbeitsgruppe hatte analysiert, dass 70 % der toten Kradfahrer selbst die

Ursache zum Unfall gesetzt hatten. Dabei war Geschwindigkeitsüberschreitung

mit einem Anteil von 25 % die mit Abstand häufigste Ursache. Fehlende

Fahrfertigkeit und viel zu schnelles Fahren, das war die verhängnisvolle

Kombination.

Wegen dieser Erkenntnisse wurde die Geschwindigkeitsüberwachung für die

Zielgruppe Kradfahrer mit einem in den Landkreisen Regensburg, Neumarkt

i.d.OPf. und Cham beispiellosen Ausmaß forciert und in 2002 durch den Kauf

weiterer Laserpistolen weiter ausgebaut.

Jeweils zum Saisonbeginn war die Öffentlichkeit mit dem Problemfeld „Tod auf

dem Motorrad“ konfrontiert worden, um alle Verkehrsteilnehmer für die

besonderen Gefahren durch das Motorradfahren zu sensibilisieren. Zusammen

mit der Verkehrswacht, dem ADAC Nord- und Südbayern, dem

Fahrlehrerverband und dem TÜV wurde in der Gemeinschaftsaktion „Mehr

Sicherheit für Motorradfahrer“ das Ziel verfolgt, mehr Fahrsicherheitstrainings

für Motorradfahrer anzubieten. Mit ansprechenden Flugblättern in hoher

Stückzahl aufgelegt, informierte die Gemeinschaftsaktion bei zahlreichen

öffentlichen Institutionen (z.B. Zulassungsstellen) und Motorradhändlern über

dieses Angebot. Die Resonanz war überwältigend. Die Kurse waren jeweils

binnen kurzer Zeit ausgebucht. Bei der Auftaktveranstaltung am 27.03.2002

wurde nochmals verdeutlicht, wie wichtig die persönlichen Fähigkeiten der

Motorik, der Koordination, das Wissen über Fahrphysik und die psychische

Stabilität in Grenzsituationen auch für routinierte Motorradfahrer sind.

Im Rahmen der „Ostbayerischen Verkehrssicherheitsaktion“ wurden mit

Vorträgen in Schulen die jungen Fahranfänger erreicht. Kostenlose

Kradtrainings organisierten die Verkehrswacht und der Fahrlehrerverband im

Landkreis Neumarkt i.d.OPf. und in der Stadt Regensburg. Fünf zusätzliche

Kurse wurden auf dem ADAC-Sicherheitstrainingsplatz in Regensburg-

Haslbach abgehalten. Schließlich verloste die Polizeidirektion Regensburg bei

der Veranstaltung „Sicher auf Bayerns Straßen“ insgesamt 5 Gutscheine für ein

Fahrsicherheitstraining.

Am Sonntag, 28.04.2002, beteiligten sich Polizeikradfahrer an der bayernweiten

Motorradsternfahrt nach Kulmbach.

Um die Eckpfeiler der polizeilichen Maßnahmen gegen das „Sterben der

Motorradfahrer“ – Fahrsicherheitstraining und Geschwindigkeitskontrollen –

„rüberzubringen“ beteiligte sich die Polizeidirektion Regensburg auch an der

Veranstaltung „TÜV-Motorradtestival 2002“ am 05.05.2002 in Regensburg.

Neben den geschilderten Präventionsmaßnahmen wurde aber auch ganz gezielt

auf Repression gesetzt.

Ab Anfang März 2002 richtete die Verkehrspolizeiinspektion Regenburg und

die Polizeiinspektionen mit den Laserpistolen ihre Geschwindigkeitskontrollen

besonders bei Schönwetterperioden, an Wochenenden und in der Ferienzeit

wieder ganz gezielt auf die Kradfahrer aus.

Die Messungen brachten auch bald Ergebnisse. 165 Motorradbiker wurden

wegen zu hoher Geschwindigkeit an Ort und Stelle angehalten oder durch

Kameras und Videoaufnahmen überführt. In 79 Fällen wurde Anzeige an die

Zentrale Bußgeldstelle erstattet. Die Betroffenen hatten ein Bußgeld zwischen €

40,-- und € 175,-- zu erwarten, 16 mal erwartete zusätzlich ein Fahrverbot von

einem bis zu zwei Monaten, in 86 Fällen wurde ein Verwarnungsgeld bis zu €

35,-- erhoben. Insgesamt errechnet sich eine Summe von ca. € 7.200,--.

157 weitere Verkehrsordnungswidrigkeiten wurden registriert:

Hierbei reicht die Palette vom unzulässigen Überholen über Rotlichtverstöße,

Reifenmängel, Erlöschen der Betriebserlaubnis bis hin zum Fahren ohne

Schutzhelm.

Jetzt, nach der Motorradsaison 2002, ist es Zeit, zu bilanzieren.

9 Kradfahrer wurden getötet, damit 11 Biker oder 55 % weniger als in der

Saison 2000 bzw. 5 Tote (35,7 %) weniger als 2001. Die Zahl der Kradunfälle

(332) ist zum Vorjahr um 10 % rückläufig. Die Verletztenzahlen (383)

stagnierten. Der Anteil der Kradfahrer, die den Verkehrsunfall selbst

verursachten, ist von 55 % in 2001 auf 52,1 % in der abgelaufenen Saison

zurückgegangen. Geringer geworden ist ebenfalls der Anteil der Unfallursache

„Geschwindigkeit“ (gesunken von 20,4 % auf 19,0 %). Auch dies ist ein

Zeichen dafür, dass die erläuterten Maßnahmen greifen. Es kann jedoch nicht

darüber hinwegtäuschen, dass sich diese Hauptunfallursache auf immer noch zu

hohem Niveau befindet.

Verdeutlicht wird dies auch durch die in der vergangenen Bikersaison

festgestellten Raser. Geschwindigkeiten weit jenseits der 100 km/h, die

außerorts als zulässige gesetzliche Höchstgeschwindigkeit festgeschrieben sind,

wurden gemessen. Mit 157 km/h war der schnellste auf der Staatsstraße 2234

bei Seubersdorf gemessen worden. Die Liste der rücksichtslosen Raser umfasst

einige Seiten. Dennoch ist als positiv festzustellen, dass Geschwindigkeiten über

200 km/h -–wie noch in der Saison 2001 – in diesem Jahr nicht mehr festgestellt

werden mussten.

Die Polizeidirektion Regensburg wird auch im nächsten Jahr wieder alle

Anstrengungen unternehmen, damit Kradfahren das bleibt oder wird, was es sein

soll – eine Fortbewegungsart, die Spaß und Freude macht, aber nicht Schmerz

und Leid über Betroffene und leider allzu oft über deren hinterbliebene

Angehörige bringt.

 


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