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„Sehnsucht nach Stille“
NEUMARKT/EICHSTÄTT. (pde) - Ein Kloster mit wechselhafter
Geschichte ist das Ziel der Eichstätter Diözesanwallfahrt am 8. Juni: Es geht
ins fränkische Heidenheim. Um 10.30 Uhr wird Bischof Walter Mixa den
Pontifikalgottesdienst unter freiem Himmel zelebrieren. Zuvor geht es in
einer Prozession zur katholischen Kirche, um 15.30 Uhr ist eine ökumenische
Vesper geplant. Den Tag über wird es Führungen durch das Münster und die
katholische Kirche geben. Die Wallfahrt steht unter dem Motto „In der Freude
des Herrn. Glauben verändert leben.“ Heidenheim feiert in diesem Jahr ein
Jubiläum: Vor 1250 Jahren wurde dort durch den Diözesanheiligen Wunibald das
Kloster gegründet.
Ausgerechnet der Wein soll schuld gewesen sein an der Klostergründung. Zuvor
nämlich lebte Wunibald in Mainz, doch die Trinkfreudigkeit und Lebenslust der
dortigen Bevölkerung waren ihm ein Dorn im Auge. „Weil er fürchtete, es
könnte der Überfluss an Wein die klösterliche Zucht zerstören“, wie es in
einer historischen Quelle heißt, kehrte Wunibald der Römerstadt den Rücken
und gründete ein eigenes Kloster. Als Standort suchte sich der Asket
Heidenheim aus. Ausschlaggebend waren Wunibalds Hang zur Einsamkeit und seine
Sehnsucht nach Stille. Der Hahnenkamm wird beschrieben als eine wald- und
wasserreiche Gegend. Der Mönch und seine Mitstreiter machten sich gleich mit
Feuereifer an die Arbeit - nicht nur das unwegsame Gelände musste gerodet
werden. Auch das Vertrauen der Bevölkerung galt es zu erobern.
Zu tun gab es genug. Heidenheim war zwar schon christlich, aber der Alltag
der Menschen war heidnisch geprägt. „Vielehen, Verwandtschaftsehen, Ehebruch
und Konkubinat waren tief verwurzelt“, heißt es in den Aufzeichnungen der
Nonne Hugeburc. „Besessene, Zauberer, Totenbeschwörer erwiesen sich als unversöhnliche
Gegner.“ Dem unverdrossenen Angelsachsen schlugen „Hass und verwundete
Leidenschaft“ entgegen. Die Gegenseite sei „zum Mord und zur Verbrennung“
entschlossen, heißt es in der Überlieferung. Doch der christliche Geist
setzte sich mehr und mehr durch. Voller Respekt wird über Wunibald berichtet:
„Gerade in dieser schwierigsten Situation erwiesen sich seine Klugheit und
Geduld, seine kundige Hirtensorge als die stärksten Mächte. Die Gläubigen
scharten sich um ihn als ihren begabten und gefeierten Lehrer.“
751/752 wurde das Kloster gegründet, zehn Jahre lang wirkte Wunibald als
Seelsorger und Abt. Er starb am 18. Dezember 761 in Anwesenheit seines
Bruders Willibald. Am nächsten Tag erfolgte die Beisetzung in der Kirche. Die
Leitung des Klosters übernahm eine Frau - Walburga, die Schwester von
Willibald und Wunibald. Bald darauf gründete Walburga ein Frauenstift. Frauen
aus England, aber auch aus der einheimischen Bevölkerung traten in das
Kloster ein. Neben der Leitung des Doppelklosters leistete Walburga
caritative, missionarische und pädagogische Arbeit. „Die Äbtissin war erfüllt
von mütterlicher Gesinnung gegenüber ihren Schwestern, liebevoll gegenüber
Armen und Hilfsbedürftigen und von besonderer Anhänglichkeit zu ihrem
verstorbenen Bruder Wunibald,“ so wird die spätere Bistumsheilige
beschrieben. Walburga starb am 25. Februar 779. Sie wurde in Heidenheim
bestattet, ihre Gebeine wurden 100 Jahre später jedoch nach Eichstätt
umgebettet. Denn in Heidenheim, so schien es, wurde die Tote nur wenig beachtet.
Bei Baumaßnahmen traten Arbeiter auf das Grab der später so berühmten
Heiligen, ein Mauereinsturz wurde als Gottesurteil empfunden. Daraufhin
wurden die Gebeine in feierlicher Form nach Eichstätt überführt.
Um 790 wurde das Benediktinerkloster Heidenheim aufgelöst und in ein
Chorherrenstift umgewandelt. Ab 1160, inzwischen war wieder ein
Benediktinerkloster entstanden, wurde nach einem großen Brand das romanische
Münster erbaut. Bis heute ist ein großer Teil der Bausubstanz erhalten.
Später wurde ein gotischer Kreuzgang hinzugefügt. Im Zuge der Reformation
löste sich 1537 der Benediktinerkonvent auf, Heidenheim wurde evangelisch.
Das Münster dient bis heute der evangelisch-lutherischen Gemeinde als
Pfarrkirche. Die katholische Kirche St. Walburga wurde 1977 geweiht.
Die Wallfahrer erwartet am 8. Juni ein kulturhistorisches Juwel. In der
Klosterkirche kann die Tumba, das Gruftdenkmal der Heiligen Walburga,
besichtet werden. Das Wunibaldgrab erzählt von der der Herkunft des Heiligen.
Kunstvoll gestaltet sind auch die Grabmäler der bedeutendsten Äbte und der
Klosterverwalter.
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