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Sehr geehrter Herr Professor  Fischer,

 

ohne uns beim Namen zu nennen, richtet sich Ihre Kritik in der Neumarkter Presse offensichtlich gegen uns. Wir verstehen nicht, wie Sie uns als "ewige Nörgler" bezeichnen können, wobei der Schwerpunkt offensichtlich auf "ewig" liegt, da Sie doch gar nicht in Neumarkt  wohnen und die Vorgänge hier in ihrem Zusammenhang gesehen werden müssen.

 

Zweitens verwundert es uns ebenso, wir zitieren: "Lothar Fischer hat erst vor kurzem von der Bürgerversammlung erfahren und zeigte sich sehr verärgert darüber". Es hat ja noch gar keine stattgefunden!! Sie verwechseln dies sicher mit der vom BDA (Bund Deutscher Architekten) kürzlich durchgeführten Veranstaltung. Die Veranstaltung eines Verbandes darf nicht mit einer öffentlichen Veranstaltung verwechselt werden, die in Verantwortung der Stadt durchzuführen ist. Herr OB Karl war im Mai nicht der Einladende, sondern ebenfalls nur Gast, wie wir auch. Deshalb konnten wir damals unsere Fragen an den OB nicht stellen. Es drängt sich der Verdacht auf, dass Sie sich von der Stadtspitze instrumentalisieren lassen. Das ist mehr als  enttäuschend.

 

Zur Klärung des gesamten Sachverhalts, möchten wir einige Dinge in Erinnerung bringen. Sicher haben Sie Verständnis dafür, dass wir diesen Brief veröffentlichen und auch den Stadtratsfraktionen zur Verfügung stellen werden.

 

Auslöser der ganzen Diskussion um Ihre Person und Ihr Kunstschaffen war die Aufstellung der Reiter am Residenzplatz im März nach der Wahl, ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Nachdem wochenlang eine Leserbriefschlacht tobte, meldeten sich auch einige Mitglieder der Bürgerinitiative BILLI e.V. unabhängig voneinander zu Wort. Denn in erster Linie sind wir Bürger dieser Stadt und erst in zweiter Linie gehören wir einem Verein an.

 

Unsere Kritik richtete und richtet sich ausschließlich gegen die Informationspolitik der Stadt und nicht gegen Sie oder gegen Ihr gesamtes künstlerisches Werk. Das schließt natürlich nicht aus, dass dem einen oder anderen nicht all Ihre Werke gefallen. Aber das wäre wohl auch nicht in Ihrem Sinne, wie wir Sie in der öffentlichen Veranstaltung kennen gelernt haben.

 

Oberbürgermeister Karl, seine stellvertretenden Kollegen, sowie etliche Stadträte und Teile der Medien möchten uns in eine bestimmte Ecke rücken, nur, weil wir als mündige Bürger und für die halten Sie uns hoffentlich auch, das einfordern, was Wesen unserer Demokratie und in anderen Städten und Gemeinden längst üblich ist, nämlich Information und Mitbestimmung. Es geht nicht um Mitbestimmung und Einmischen in Ihr künstlerisches Schaffen, sondern um Mitgestalten, wenn es um die Zukunftsplanung der Stadt geht, in der wir gerne leben und auch weiterhin leben möchten. Die Stadtspitze will offensichtlich Ihren eigenen Weg gehen, ohne Rücksicht auf die Bürger.

 

Dass dies nun auf Ihrem Rücken ausgetragen wird, tut uns leid und ist so von uns nicht gewollt. Aber die Verantwortung hierfür tragen nicht wir.

 

Im Mai, bei der öffentlichen Vorstellung eines Teils Ihrer Werke, hatte Herr Stadtrat Johann Gloßner noch die Bitte geäußert, Sie mögen etwas zum geplanten Museum sagen. Sie waren schon fast der Versuchung erlegen, dieser Bitte nachzukommen, als Ihnen der OB helfend zur Seite sprang. Fürsorglich, wie immer, verwies er auf die späte Stunde und uns alle auf eine neu abzuhaltende Informationsveranstaltung. Wir gehen davon aus, dass auch Sie sich noch daran erinnern. Warum also diese Angst vor einer Bürgerversammlung?

 

Wir haben doch nichts gegen Kunst. Wir wünschen lediglich eine Bürgerversammlung, in der noch für die Bürger offene Fragen in Zusammenhang mit einem im Raum stehendem Museum zu Künstler, Standort, Alternativen, Konzeption, Finanzierung und Folgekosten diskutiert werden können. Dafür müssten doch auch Sie Verständnis haben.

 

Es werden große Besucherströme erwartet - sonst würde das Projekt ja auch keinen Sinn machen - andererseits soll es mit von der Bücherei betreut werden. Alles Dinge, die für uns wichtig sind, denn so ein Bau verursacht schließlich Kosten, insbesondere in Zukunft, die von uns Bürgern aufgebracht werden müssen.

 

Wenn auf der einen Seite kein Geld für die Betreuung von Nachmittagsunterricht vorhanden ist oder man sich bei zusätzlichen Blindenampeln ziert, sowie bei anderen Erleichterungen für Behinderte und Senioren immer wieder den Satz hören muss, wie teuer das alles ist, was glauben Sie, was man dann denkt.

 

Sehen Sie, das sind auch Sorgen, die man ernst nehmen sollte. Vielleicht können Sie jetzt verstehen, dass es uns wirklich nur um Information und eine gute, von möglichst vielen Bürgern getragene Entscheidung geht, weil wir von der Stadt wissen wollen, was auf uns zukommt. Gegenseitig Ängste abbauen, das ist unser Ziel. Deshalb schlagen wir Ihnen ein Gespräch über Ihr Werk, Ihre Ziele und Hoffnungen vor.

 

Die andere Sache ist dann die Bürgerversammlung. Die muss der OB einberufen und die hat auch nur mit uns Bürgern vor Ort zu tun.

 

Wir hoffen, dass wir in dieser Stadt  mit diesem offenen  Brief wieder zur Sachlichkeit zurückfinden  und den hier eröffneten Scheinkonflikt  „Wollt Ihr Fischer oder nicht?“ im Ansatz ersticken können.

 

Wir würden uns über eine Antwort Ihrerseits freuen, in der Sie uns mitteilen, welche Alternativen Sie sich vorstellen könnten zum Gesamtkonzept Kunst in Neumarkt und insbesondere zu Alternativen für  den Standort „Ihres“ Museums.

 

Selbstverständlich sind wir gerne auch zu einem persönlichen Gespräch bereit, einem offenen Dialog, der sicherlich einige Missverständnisse aufklären könnte, die von dritter Seite augenscheinlich bewusst aufgebaut werden. 

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

Christian Tölken

Pressesprecher

BILLI Neumarkt e. V.

 

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