Leidenschaftlicher Europa-EmpfangNEUMARKT. Die Einladung war kühl und sachlich gehalten: der CSU-Stadtverband Neumarkt bat zum "Europa-Empfang". Aber was sich hinter dieser nüchternen Aufforderung verbarg, war alles andere als "hausbacken". Leidenschaft zog sich wie ein roter Faden durch die kurzweilige Veranstaltung, zu der CSU-Stadtverbandsvorsitzender Helmut Jawurek eine illustre Gästeschar aus allen gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und kirchlichen Kreisen begrüßen konnte.
Dieser nahm gerne den Ball auf, den ihn CSU-Kreisvorsitzender und Bezirksrat Hans Bradl zugespielt hatte: "Entfalten Sie den 90 Zentimeter langen Wahlzettel erst gar nicht", riet der dem erheiterten Publikum, "sondern machen Sie gleich oben rechts Ihr Kreuzchen." Dass es auf jede Stimme für die CSU ankommt, daran ließ Dr. Ingo Friedrich, der nicht abgehobene, sondern mit der fränkisch-oberpfälzischen Heimat verwurzelte "Vize" keinen Zweifel; denn keine andere Partei würde die Belange Bayerns auch nur annähernd so nachhaltig vertreten wie die christlich-soziale. Bekanntlich stellt die CSU in der zu Ende gehenden Wahlperiode zehn Europa-Abgeordnete, während es die SPD nur auf vier bayerische bringt und Grüne und Freie Demokraten gänzlich das Nachsehen haben. Unter dem frenetischen Beifall der Zuhörer erinnerte Dr. Ingo Friedrich an ein Versprechen, das Bundeskanzler Gerhard Schröder im Hinblick auf die Ost-Erweiterung der EU gegeben, aber bislang nicht eingehalten hat: 40 Millionen Euro hätte er dem Grenzland versprochen, aber bis heute sei noch kein Zahltag gewesen. Dass die SPD mit Geld nicht umzugehen verstehe - innerhalb von fünf Jahren hätte es die Bundesregierung geschafft, die deutsche Wirtschaft von der Spitze in den Tabellenkeller zu katapultieren - hätte schon Franz-Josef Strauß gewußt. Ingo Friedrich erntete Heiterkeit, als er das Zitat hervorholte: "Eher legt sich ein Hund einen Wurstvorrat an als dass die Sozi lernen, mit fremdem Geld umzugehen." Und im Hinblick auf die "grüne" Landwirtschafts- und Verbraucherministerin Künast legte er noch eins nach: "Sie ist nicht die Patronin der Landwirtschaft, sondern ihr Schreckgespenst." Zum Thema Landwirtschaft wird im Europa-Parlament auch der künfigte Neumarkter Abgeordnete Albert Deß ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Seine 14jährige Erfahrung im Bundestag werde er in Brüssel nicht nur zum Wohle der Landwirtschaft, sondern für diese und kommende Generationen einsetzen: "Europa bedeutet Frieden", erinnerte er an die düstere Vergangenheit des vorigen Jahrhunderts. "In einem geeinten Europa wird es nie wieder einen Krieg geben". Mit dieser und allen anderen Einschätzungen war sich Deß mit Vizepräsident Friedrich einig, der auch Rußland in diese friedfertige Gemeinschaft einbezog. Den Europa-Gedanken holte Bürgermeister Arnold Graf auf die kommunale Ebene zurück, als er im Rahmen der Veranstaltung "Jugend musiziert" ein Konzert, gestaltetet von jungen Musikern aus den Beitrittsländern ankündigte. "Da werden dann junge Serben und Altersgenossen aus Kroatien ein Europa in Harmonie erklingen lassen." ERICH ZWICK
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