Elf Jahre Haft für Parsberger Bluttat !

NEUMARKT/PARSBERG. Nach elf Jahren fiel der letzte Vorhang zu einem Ehedrama: Wegen Totschlags an seiner Ehefrau Steffi M. (damals 23) wurde der 37jährige Bulgare Dimitar Mokanov vom Landgericht Nürnberg-Fürth am Dienstag zu einer Freiheitsstrafe von elf Jahren verurteilt!

Dimitar Mokanov zusammen mit seinem Verteidiger (von hinten) und der Dolmetscherin auf der Anklagebank.
Foto: Erich Zwick
In der Urteilsbegründung stellte das Gericht klar, daß es nicht von einer Affekt-Tat ausging, die sich möglicherweise strafmildernd auswirken würde. Die Tat sei geplant gewesen und der Täter habe "absoluten Tötungs-Vorsatz" gehabt.

Mit versteinertem Blick sitzt der Täter, der im Mai 1993 seine Ehefrau im Streit erstochen hat, auf der Anklagebank im geschichtsträchtigen Schwurgerichtssaal des Nürnberger Justizpalastes in der Fürther Straße, wo nach Kriegsende die zu zwiespältiger Berühmtheit gelangten "Nürnberger Prozesse" stattgefunden haben.

Sein strähniges Haar fällt über das fahle Gesicht - auf der gegenüberliegenden Seite sitzt die Mutter der Getöteten. Sie wirkt gefasster als am ersten Verhandlungstag, der ausgerechnet mit dem 34. Geburtstag ihrer getöteten Tochter zusammenfiel.

Drei Zeugen sollten am Dienstag mehr Licht in das Dunkel jenes Abends am 19. Mai 1993 bringen, doch ihr Gedächtnis war nach dieser langen Zeit nur noch lückenhaft. Längst hatten sie die Bluttat vergessen., weil sich der mutmaßliche Täter ins Ausland abgesetzt hatte. Im vergangene Jahr wurde er beim Stehlen in Polen erwischt und als international Gesuchter nach Deutschland ausgeliefert.

Hier passiert nun noch einmal das Geschehen Revue: Schon am ersten Prozeßtag gestand Dimitar M., seine Frau mit einem Messer niedergestochen und mit einer Hantel erschlagen zu haben. Er berief sich jedoch auf Notwehr, weil ihm seine Ehefrau provoziert - seine Tochter sei nicht von ihm - und mit einem Messer bedroht habe. Daraufhin sei er "durchgedreht". Ein Nachbar sah, wie der Angeklagte mit der Tochter auf dem Arm aus dem Haus rannte und entdeckte die blutüberströmte Frau im finsteren Schlafzimmer.

Die drei am Dienstag aufgebotenen Zeugen - zwei Türken und der damals ermittelnde Polizeibeamte - vermochten auch kein Licht in die Tatnacht zu bringen. Mustafa, der eine Zeugen, zu dem der Täter vor der Flucht sein Kind brachte, konnte sich nicht einmal an seinen eigenen Geburtsjahrgang erinnern. Bei der Polizei hatte er 1942, am Dienstag bei Gericht 1940 angegeben. Diese plötzliche "Alterung" mag womöglich mit seinem Beruf "Rentner" zusammenhängen.

Der andere Zeuge, ein flüchtiger Bekannter des Verurteilten - "wir kennen uns vom islamischen Verein" - diente als unfreiwilliger Fluchtkomplice. Ihm hatte der Angeklagte vorgegaukelt, zunächst zum Nürnberger Flughafen zu müssen, später dirigierte er ihn in Richtung Weiden. In einem unbekannten Ort setzte er den Flüchtenden ab, dessen wahre Absichten er erst nach seiner Rückkehr nach Parsberg von der Polizei aufgetischt bekam.

Auch dem Polizeibeamten vermochte es niemand zu verübeln, dass er sich nach so langer Zeit an keine Details mehr erinnern konnte: Nur so viel, dass die abgebrochene Messerklinge noch im Rücken des Opfers steckte und wegen der Enge des Raumes der Abtransport der Verletzten nur in einem Rettungstuch möglich war.

Kurz vor der verhängnisvollen Mai-Nacht hatte Opfer Steffi ihrer Mutter noch brieflich ihr Leid geklagt: "Es ist alles so beschissen, ich muß mein Auto verkaufen, damit ich die Schulden bei der Sparkasse bezahlen kann. 'Sali' - so nannte sie ihren Mann - will nach Hause fahren, und ich bin im siebten Monat schwanger. Wenn ich jetzt kein Geld bekomme, kann ich nichts mehr einkaufen...".

Als Steffi keinen anderen Ausweg mehr sah und mit Scheidung drohte, sprach sie ihr eigenes Todesurteil.
ERICH ZWICK


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